Magazin Branche

AVL Tractor Engineering Germany :

„Wir setzen Kundenprojekte bis zur Serienreife um“

Weltweit sind über 10.000 Ingenieure für das Entwicklungsunternehmen AVL tätig. Das Unternehmen verfügt über jahrzehntelange Erfahrung in der Entwicklung von Antriebssystemen für diverse Industrien. Der eilbote besuchte die auf die Landtechnik und Baumaschinen spezialisierte Tochtergesellschaft AVL Tractor Engineering Germany GmbH in Neuss.

AVL Tractor Engineering Germany: „Wir setzen Kundenprojekte bis zur Serienreife um“

Der Standort Neuss gehört zum AVL Landtechnik-Kompetenzzentrum.

Die Elektrifizierung von Arbeitsmaschinen ist ein Schwerpunkt der AVL-Forschungstätigkeit.

Die Elektrifizierung von Arbeitsmaschinen ist ein Schwerpunkt der AVL-Forschungstätigkeit.

„Unser Geschäft hängt im Wesentlichen von zukünftigen Markt- und Kundenbedürfnissen ab.“, fasst Ronald Kruth zusammen. Kruth ist für das Geschäftsfeld OFF Road bei AVL verantwortlich. Seine Endkunden kennt Kruth aus eigener Erfahrung sehr gut. Der 40-Jährige ist auf einem landwirtschaftlichen Betrieb im Rheinland groß geworden, studierte Maschinenbau in Aachen und arbeitete anschließend in unterschiedlichen Funktionen für einen Antriebstechnikhersteller in der Landtechnik. Seit Anfang 2017 ist er Key Account Manager bei AVL und übernahm im November 2018 zusätzlich die Leitung des Business Fields Off-Road. Auch Kruths Kollege Armin Gronewold, der Niederlassungsleiter des Standorts in Neuss, ebenfalls 40 Jahre alt, kennt die praktische Landwirtschaft von dem elterlichen Hof und der Arbeit bei Lohnunternehmern. Gronewold stammt aus Ostfriesland und studierte Wirtschaftsingenieurwesen Maschinenbau in Braunschweig. Vor seiner Zeit bei AVL sammelte er über zehn Jahren Erfahrungen bei einem europäischen Land-maschinen- und Traktorher- steller und gehört seit 2015 zur AVL.

Die AVL Tractor Engineering Germany GmbH am Standort Neuss bei Düsseldorf hat seinen Ursprung in dem auf Traktorenentwicklung spezialisierten Ingenieurbüro k&p fullservice GmbH und gehört seit 2013 zur AVL-Gruppe. Der Standort Neuss bildet zusammen mit dem AVL Standort in Steyr, welcher seine Wurzeln in der einstigen österreichischen Getriebeschmiede Steyr-Daimler Puch hat, das Kompetenzzentrum für die Bau- und Landmaschinenentwicklung innerhalb der AVL Gruppe. Mit heute rund 120 Mitarbeitern werden Antriebssysteme für Nutzfahrzeuge, mobile Arbeitsmaschinen oder sogar komplette Traktoren entwickelt.

Von der Marktstudie bis zum Serienstart kann AVL die Entwicklung von Traktoren und mobilen Maschinen durchführen. AVL steht herstellerunabhängig mit Rat- und Tat zur Seite. „Wir beraten nicht nur, wir setzen die Projekte dann gemeinsam mit unseren Kunden auch bis zur Serienreife um. Das unterscheidet uns von vielen Mitbewerbern am Markt“, so Kruth.

Dabei sind Objektivität, Unabhängigkeit und Vertraulichkeit zentrale Bestandteile des umfassenden AVL Paketes. Neben der Technik sind der kunden- und branchenübergreifende Blick auf das Produkt sowie breite Kenntnisse der Märkte und Kundenbedürfnisse von entscheidender Bedeutung.

Eine enge Zusammenarbeit mit den Kunden entwickelt sich über Jahre und ist dann oft auch von langer Dauer. Je komplexer Landmaschinen werden, um so vielseitiger gestalten sich die Aufgaben für die AVL-Ingenieure. Zur Bewältigung dieser komplexen Aufgaben setzen die AVL Fahrzeugentwickler auf die Unterstützung von über 10.000 Mitarbeitern innerhalb der AVL-Firmengruppe. Gezielt werden je nach Projektanforderung einschlägige Spezialisten aus den Entwicklungszentren für Motoren, Getriebe, Brennstoffzelle, Batterie, Software und autonome Systeme einbezogen und somit die notwendige Expertise sichergestellt.

Darüber hinaus verfügt die AVL über ein externes Expertennetzwerk zu dem u.a. die Firma Siqron agrar aus dem bayerischen Augsburg gehört. Vor zehn Jahren von Diplom-Agraringenieur Arnold Kemkemer gegründet, unterstützt er AVL im Bereich Landtechnik mit Markt-, Produkt und Vertriebskenntnissen. Davor sammelte Kemkemer Erfahrung im Marketing und Vertrieb auch auf internationaler Ebene bei führenden Landtechnikkonzernen sowie der Landtechnik vor- und nachgelagerten Unternehmen. Bei der Frage nach Referenzen ihrer Arbeit sind Entwicklungsingenieure naturgemäß sehr verschlossen. Über Kundennamen oder Projekte spricht man nicht, denn Vertrauen ist in dieser Branche das wichtigste Kapital.

Armin Gronewold (links) leitet die Niederlassung Neuss, Ronald Kruth ist Chef des Geschäftsbereichs Off-Road.

Armin Gronewold (links) leitet die Niederlassung Neuss, Ronald Kruth ist Chef des Geschäftsbereichs Off-Road.

Ein Drittel der Projekte aus dem Bereich Elektrifizierung

„AVL-weit beinhalten bereits etwa ein Drittel der Projekte Themen aus dem Bereich Elektrifizierung “, berichtet Armin Gronewold. „Dieses Thema steht bei vielen Kunden in unserer Branche ganz oben auf der To-Do-Liste.“ Mit der Vielzahl weltweiter Kundenprojekte sowie eigenen Forschungsprojekten sieht man sich bei AVL für diese Fragestellungen gut gewappnet.

Rund zehn Prozent des Umsatzes steckt AVL in eigene Forschungsvorhaben, die für Wissensvorsprung gegenüber den Kunden sorgen sollen. „Dabei reicht es nicht aus, nur einen Schritt vorauszudenken.“ so Gronewold

Kruth und Gronewold sehen in der Elektrifizierung und in (teil-)autonomen Maschinen Zukunftsszenarien, die in zehn bis 15 Jahren die Landtechnik mehr und mehr erreichen werden. Bis dahin gebe es aber noch viele Fragestellungen zu beantworten, z.B. „Wie stellt man Stabilität der automatisierten Arbeitsprozesse sicher?“ oder „Wie muss Konnektivität von Maschinen gestaltet sein, damit sie nicht nur in herstellergebundenen Insellösungen funktioniert und für den Kunden problemlos „plug & play“ funktioniert?“ oder „Lassen sich auch herstellerübergreifend Plattformen für elektrifizierte Landmaschinen entwickeln?“

Neben Traktorherstellern gehören auch Unternehmen aus der Bau- und Kommunalmaschinenindustrie sowie Anbaugerätehersteller zu den Kunden. Zur AVL Beratungsleistung zählen darüber hinaus u.a. auch Themen wie Produktkostenoptimierung, Produktionsplanung oder Strategieberatung. „Wir haben eine Methodik entwickelt, die Herstellkosteneinsparpotenziale von mindestens drei bis fünf Prozent realisiert.

Bei einer genauen Analyse, welche Alternativen in der Beschaffung und der Montage einschließt, geht das schnell auch deutlich in den zweistelligen Prozentbereich. Unsere Dienstleistung amortisiert sich daher bereits oft schon innerhalb eines Jahres“, erläutert Ronald Kruth die Vorgehensweise.

Im Selbstverständnis der AVL-Berater und Entwickler ist man aber nicht nur als Kostenoptimierer unterwegs. „Unsere Experten gehen auch konkreten technischen Problemen auf die Spur“, so Gronewold. Als ein Beispiel nennt er Geräuschoptimierung in der Traktorkabine oder der Gesamtmaschine. Aus dem großen AVL-Erfahrungsschatz gebe es viele Lösungsvorschläge, die man dann mit dem Kunden zusammen durcharbeitet, um das gemeinsam formulierte Ziel zu erreichen.

Bevor es zum Auftrag für die AVL kommt, gibt es eine detaillierte Projektbeschreibung. Diese schildert die genaue Aufgabe, Verantwortlichkeiten von AVL und des Kunden, beschreibt klar die zu erarbeitende technische Lösung und legt einen Zeitplan und das Budget fest.

AVL finden Sie auf der Agritechnica in Halle 15, Stand F47.


Diesen Artikel bewerten

Diskutieren Sie mit

blog comments powered by Disqus