Tim Foster begrüßt uns lächelnd mit einem kräftigen Händedruck. Es ist Sonntagmorgen, 11:00 Uhr, umso großartiger, dass er uns das Unternehmen seines Chefs, Greg Allan, und zwei Kunden vorstellt. Die Luft ist heute im April herbstlich klar, wir sind von Melbourne aus drei Stunden mit dem Auto in den südwestlichen Teil von Victoria nach Colac gefahren. Das hügelige Grasland leuchtet in frischem Grün. Die seichten Hügel sind ehemalige Vulkane, erläutert Tim Foster, als wir mit dem Pick-up durch die Landschaft zur ersten Dairyfarm brausen. Die Gegend teilt sich in zwei Bereiche: In die eine Richtung flog bei früheren Ausbrüchen die Asche und das Sediment, in die andere floss die Lava, was viele Steine auf den heute bewirtschafteten Flächen zur Folge hat.
Greg Allan handelt in Colac seit über 35 Jahren mit Landmaschinen mit Schwerpunkt Futterbau. Für die Fabrikate Joskin, Zocon, Samasz, Elho, Madam und Maschio Gaspardo ist Allans Unternehmen ColacAg Importeur und Großhändler für Australien. Zusätzlich verkauft Allan vor Ort Maschinen auch an die Landwirte. Da kommen Valtra, Kioti sowie in der Futterente Pöttinger und Vicon und einige andere Marken hinzu. Mit 35 Mitarbeitenden, davon zwölf Techniker, erwirtschaftet das Unternehmen jährlich 35 Millionen australische Dollar, das sind umgerechnet gut 21 Millionen Euro. Auf dem Hof in Colac stehen zahlreiche neue, gebrauchte und Demo-Maschinen. Hier stehen auch Mähwerke und Ladewagen. Normalerweise bekommt man in dieser Gegend ein bis zwei Grasschnitte im Jahr hin; kann man die Fläche beregnen, sind auch drei möglich.
Das ganze Jahr draußen
An diesem strahlenden Sonntagmorgen machen wir uns auf dem Weg zur McCarthy Family Farm. Luke McCarthy und seine Söhne, Xavier, drei Jahre, und Oliver, fünf Jahre alt, erwarten uns auf dem Hof. Der Betrieb verfügt über 500 Hektar für die Grassilagewerbung und den Maisanbau sowie die Rotationsweiden. Sie sind über ein Wegenetz mit dem Melkplatz und dem zentralen Futtertisch verbunden und können beregnet werden. Die Herde bekommt morgens drei Hektar frische Weide und nachmittags ebenfalls drei Hektar. Einen Stall, wie bei uns, gibt es hier nicht. Die einzigen festen Gebäude sind der Melkstand mit einem Fünfziger-Karussell und eine offene Maschinenhalle, die auch als Heu- und Strohlager dient. Maximal sinken die Temperaturen hier knapp unter Null. Im Sommer klettert das Quecksilber aber durchaus auf über 40 °C. Die McCarthys wohnen nicht direkt auf ihrer Farm, sondern circa drei Kilometer entfernt. In der vierten Generation melkt der Betrieb 650 Kühe, Holstein Friesian mit Fleckvieh eingekreuzt. Mit Nachzucht sind so gut 1.000 Kopf zu versorgen. Eine Arbeitskraft melkt die Herde zweimal täglich und benötigt dafür drei Stunden. Das Melken startet um 3:00 Uhr früh und um 14:00 Uhr. Ein Mitarbeiter treibt die Kühe aus der Rotationsweide mit dem Quad in den Wartebereich des Melkstands. Die Brunsterkennung läuft über Sensoren an den Kühen sehr zuverlässig, erläutert Luke McCarthy zufrieden. Zum Besamen werden die Tiere nach dem Melken automatisch selektiert. Die Tagesleistung liegt je nach Saison bei 30 bis 35 Kilogramm pro Tier mit 4,2 Prozent Fett und 3,3 Prozent Protein. Der Milchtruck holt die Milch zweimal täglich von der Farm ab. Gefüttert wird eine Ration mit dem Futtermischwagen auf dem befestigten Platz neben dem Melkstand. Die Ration besteht aus Gras- und Maissilage sowie Heu. Kraftfutter und Konzentrat gibt es nach individueller Tierleistung im Melkstand.

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Tim Foster verkauft in Südaustralien Landtechnik an Futterbaubetriebe.

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Greg Allans Werkstattwagen sind fast alle mit Kran ausgestattet.

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Die McCarthys füttern TMR auf dem freiliegenden Futtertisch.

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Luke McCarthy erläutert das System der Umtriebsweide auf seiner Farm.
„Den Traum erfüllt!“
„Mein Ziel war es, einmal 1.000 Kühe zu melken. Das haben wir erreicht“, freut sich Ulke de Kleine, Eigentümer der Klemby Farms in Pirron Yallock mit seiner Frau Sarah und den zwei Töchtern, Harper,acht, und Marli, sechs Jahre alt. Der Niederländer kam 2011 nach Australien, „nur mit einem Koffer und sonst nichts“. Zuerst wirtschaftete er auf einer Milchfarm weiter im Norden von Victoria, die er 2015 von Sarahs Eltern in Katunga erwarb. 2021 siedelte die Familie näher an die Küste heran, da der Regen hier zuverlässiger fällt. Seine Herde besteht zu 100 Prozent aus Holstein-Friesian-Genetik, die Leistung pro Kuh erreicht 11.000 Kilo pro Jahr bei zweimaligem Melken. Die Farm verfügte bereits vor dem Kauf durch die De Kleines über einen Boxenlaufstall für 500 Kühe, weitere 700 Kühe stehen draußen im Freien. Die Frage, ob nur die Hochleistungskühe in den Stall dürfen, verneint De Kleine: „Das entscheiden die Kühe selbst. Manche sind mehr Indoor-Typen und fühlen sich sofort nach dem Einstallen in den Boxen wohl. Andere sind lieber die ganze Zeit im Freien. Manchmal geben Kühe, die in die Outdoor-Haltung wechselten, dann sogar mehr Milch als vorher im Boxenlaufstall.“ Der Milchviehfarmer überlegt, einen zweiten Stall zu errichten und auf dreimaliges Melken zu erweitern. Mit dem Futtermischwagen wird Gras- und Maissilage ergänzt mit Raps, Lupinen und Mandelschalen sowie Heu gefüttert. „Die Kühe lieben die Mandelschalen, die sind schön süß“, sagt er.

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Der Nachwuchs hilft bereits mit: Vater Luke mit seinen Söhnen Oliver (li.) und Xavier.
Auf Klemby Farms sind 22 Mitarbeiter beschäftigt, neun davon kommen von den Philippinen, der Rest sind Rucksacktouristen, die für eine Zeit hier einen Job finden. Das 90-minütige Melken im Achtziger-Karussell startet früh um 4:00 Uhr und nachmittags um 14:30 Uhr. „In Australien eine Farm zu betreiben, ist ein Paradies: kein Papierkram, keine Gesetze!“, so das Fazit des Niederländers.

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Die McCarthy Farm in Victoria melkt 650 Kühe. Es gibt nur wenige feste Gebäude.
Futter für den Export
In Victoria spielt neben dem Futterbau auch die Futtererzeugung für den Export eine wichtige Rolle. Der Export nach China ist beispielsweise sehr bedeutend, wie Marco Leying von der Firma Krone erläutert. Er ist für den Markt in der Region Asien-Pazifik verantwortlich . Kurz nach der Aussaat entscheiden die Betriebe, ob die Bodenfeuchte für eine ertragreiche Getreideernte genügt. Falls nur mäßige Körnerträge zu erwarten sind, könnte dies eine akzeptable Option für die Futternutzung der Haferbestände sein. Der Hafer wird in der Milchreife gemäht und auf dem Feld getrocknet. Mit der Krone Big Pack Großballenpresse wird er anschließend gepresst und in Containern hauptsächlich nach China exportiert.

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Der Boxenlaufstall auf der Klemby Farm bietet 500 Kühen Platz. Weitere 700 Tiere stehen draußen.

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Chef der Klemby Farm: Der gebürtige Niederländer Ulke de Kleine kam 2011 nach Australien.

Mandelschalen „versüßen“ die Kuhration.

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Das Melkkarussell fasst 80 Kühe pro Runde.













