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Alleskönner 365/24

Mit den richtigen Anhängern und Geräten sind Quads Universaltalente für Landwirtschaft und Forst

ATV / Quad: Alleskönner 365/24

Leistet Schwerstarbeit: ATV mit Rückeanhänger und Kran.

Von Christian Mühlhausen

Aktualisiert am

ATV / Quad: Alleskönner 365/24

Der Markt für ATV (All Terrain Vehicles) und Quads wird oft unterschätzt: Aktuelle Zahlen vom Kraftfahrtbundesamt über zugelassene Fahrzeuge gibt es zwar nicht, der aktuelle Bestand liegt aber wohl nach Schätzungen bei mittlerweile 150.000 bis 200.000 Stück in Deutschland, Tendenz stabil (LoF-ATV) bis steigend (Freizeit-Quads). Und mit einer hohen Dunkelziffer, denn neben den zugelassenen Fahrzeugen laufen auch nicht zugelassene ATV, die ausschließlich auf Höfen zum Einsatz kommen. Anwendung finden die Alleskönner neben der Landwirtschaft auch im Forst, im Gartenbau, bei der Jagd, in Sonderkulturen, Naturschutz und Landschaftspflege (Solarparks!), auf Pferdebetrieben sowie in der Kommunaltechnik, dort vor allem im Winterdienst. Der Markt wächst: Der Grund dafür ist neben den geringen Anschaffungskosten, der hohen Geländegängigkeit und der einfachen Bedienung der ATV vor alldem die stetig wachsende Zahl an spezialisierten Anwendungen und Anbaugeräten.

Der Markt für ATV an sich ist dabei vor allem in der Hand von spezialisierten Händlern, die ausschließlich Quad und ATV verkaufen. Hinzu kommen einige Motorradhändler, die ihr Portfolio um die vierrädrigen Gefährte erweitern. Landmaschinenhändler hingegen haben das Segment bislang noch selten in ihrem Angebot – im Gegensatz beispielsweise zu Regionen wie Nordamerika oder Neuseeland und Australien, in denen ATV zur Standardausstattung auf den Agrarbetrieben gehören. So werden beispielsweise in den USA die ATV zwar ebenfalls überwiegend über Powersports-Anbieter und spezialisierte Quad-Händler angeboten, allerdings vor allem für den Freizeitbereich. Agrar-ATV werden dort häufig über Landmaschinen-, Garten- und Kommunaltechnikhändler verkauft. Das erweitert für die Händler das Angebot für die landwirtschaftliche Kundschaft, kann neue Kundengruppen erschließen und dadurch saisonale Schwankungen glätten.

Vor allem auf größeren landwirtschaftlichen Betrieben im deutschsprachigen Raum sind ATV nicht mehr wegzudenken, denn ihre Vorteile spielen die Fahrzeuge nicht nur in den USA und Australien, sondern auch hierzulande aus, etwa bei der Bestandskontrolle: Sie sind geländegängige Alleskönner, mit denen große Ackerschläge auch mit stehender Kultur zügig kontrolliert werden können und ohne dabei Schäden zu verursachen. Mit ihnen kann aber auch der Hof gekehrt, Nutztiere von großen Weiden zusammengetrieben und Zäune rasch kontrolliert werden. Weitere bei uns typische Anwendungen sind das Streuen von Schneckenkorn oder Spezialanwendungen wie das Ziehen von Bodenproben.

Echte Tausendsassas

Nicht ohne Grund werden die Gefährte als echte Tausendsassas bezeichnet: Sie vereinen einen im Vergleich zu Alternativen niedrigen Anschaffungspreis mit einer enormer Bandbreite der möglichen Anwendungen. Erforderlich ist dafür eine gewisse Leistungsstärke des ATV sowie eine Anhängekupplung und das entsprechende Zubehör beziehungsweise Anbaugerät. Weitere Vorteile sind die rasche Einsatzgeschwindigkeit – dafür können auch nicht straßenzugelassene ATV einfach auf einen Pkw-Anhänger oder Pickup verladen werden, um zum Einsatzort zu kommen – die Geschwindigkeit und die Wendigkeit.

Kurz gesagt gibt es kaum einen Anwendungsfall, den – entsprechend der nach oben natürlich limitierten Leistungsklasse beziehungsweise eingeschränkter Zugkraft – ein ATV nicht abdecken kann. Dabei funktionieren viele der Anbaugeräte mechanisch oder elektrisch, etwa über Winde oder 12 V-Motor. Aber: Je anspruchsvoller die Anwendung, je größer der Leistungsbedarf, desto größer auch der Bedarf an einer hydraulischen Lösung für Heben, Senken, Kippen und Schwenken. Da die ATV ab Werk meist keine eigene Hydraulik besitzen, wird die nötige Technik über eine nachrüstbare, elektrische Zusatzhydraulik oder Linearantrieb ergänzt. Wichtig ist dabei, dass die Bordelektrik dafür  genügend Leistung liefert.

Dabei können auch Transportarbeiten eine Rolle spielen: Das kann Futter in viehhaltenden Betrieben sein, das fehlende Saatgut im Ackerbaubetrieb, das schnell vom Hof zum Acker gebracht werden muss, das Zaunbaumaterial beim Bau von Weidezäunen, aber auch Handwerkzeug, Motorgeräte und Ähnliches, das zum Einsatzort – auch in unwegsamen Gelände – transportiert werden muss. Die Bandbreite reicht dabei von einfachen Trägersystemen und kleinen Transportanhängern bis zu großvolumigen Varianten, die jedoch auf die ATV-Leistungsklasse bezogen gewichtsmäßig nur angemessen beladen werden dürfen. Eine hydraulische oder elektrische Ausrüstung vorausgesetzt, sind sogar Anhänger mit Kippvorrichtung möglich. Selbst Tankwagen für Wassertransport sowie Anhängergestelle für den Aufbau von IPC-Containern sind erhältlich. 

Grundsätzlich gilt: Viele Anwendungen auf Basis von Pkw-Anhängern lassen sich auch für ATV nutzen, vorausgesetzt, dass es die Anhängelast (gebremst/ungebremst) erlaubt, die Anhängerkupplung des ATV kompatibel ist sowie Beleuchtung und Zulassung des Hängers den rechtlichen Anforderungen entsprechen. Etablierte Anbieter von ATV-Anhängern und zum Teil Anbaugeräten sind unter anderem Iron Baltic, Logic, Wiesenfeld, Tukan, JPS Trailer und Kellfri, weiterhin Quad-X, Geo, Rammy, Faunamaster und Wild-Hare (USA, bekannt für hydraulische Frontsysteme) sowie Quadivator.

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In Schweden gibt es viele kleinere Waldbesitzer. Daher sind Quads und Forstgeräte hier verbreitet.

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Riesenbandbreite an Forst-Equipment

Besondere Bedeutung haben die Anhänger für den Forstbereich: Wie kürzlich auf der Forstmesse Elmia Wood in Schweden zu sehen war, ist die Bandbreite an kleineren und größeren Herstellern an Forst-Equipment für ATV nahezu unüberschaubar groß. Was auch daran liegt, dass ATV in schwedischen Wäldern deutlich weiter verbreitet sind als bei uns. Hintergrund ist, dass es zwar viele Waldbesitzer in Schweden gibt, die aber nicht alle zugleich Landwirte oder Nebenerwerbslandwirte sind, ein ohnehin vorhandener (Zweit-)Schlepper für Seil- und Rückearbeiten also oft nicht vorhanden ist. Und diese Lücke füllt ein ordentlich ausgestattetes ATV gut aus. Solche Anwendungen sind grundsätzlich auch für andere Zielgruppen aus dem urbanen Raum in Mitteleuorpa interessant, etwa für Brennholzselbstwerber aus dörflichen Neubaugebieten, die zwar keinen Platz für Schlepper und Ausrüstung, wohl aber für ein viel kleineres ATV haben. Diese Zielgruppe, die die Arbeit im Forst oftmals eher als Hobby denn als nötige Erwerbsarbeit sieht, ist als Kunde interessant, da sie weniger preissensibel ist als Profinutzer, aber dennoch keine Kompromisse bei der Ausstattung eingeht.

 Viele ATVs sind serienmäßig mit Seilwinde ausgestattet, was der Arbeit im Forst sehr dienlich ist. Bei den Anbaugeräten für den Forst dominieren Rückeanhänger, teils mit Seilwindenkran, teils mit eigener Hydraulikanlage (über separaten Motor) ausgestattet. 

Die Bandbreite geht weiter über Wegeplanierschilder, Anbauhacker, Rückezangen, Fräsen (auch mit eigenem Motor), natürlich die obligatorischen Werkzeugboxen und Aufbausätze für den Transport von Motorsägen und anderem Werkzeug. Eine auf der Elmia vorgestellte Highend-Lösung ist der Brennholzprozessor Jobo WP50 von Syketec, der per ATV in den Wald gezogen werden kann und dort Stammholz gleich auf Länge sägt und in angehängte Big Bags fallen lässt. Er verarbeitet Holz von 2 bis 20 cm Durchmesser, Entasten geht bis 15 cm Durchmesser. Er spaltet mit 1,3 t Spaltdruck und benötigt eine separate Ölversorgung (z.B. Schlepper oder ATV mit eigener Hydraulikpumpe).

Was für den Forst gut ist, gefällt auch bei der Jagd: ATV haben sich vor allem in steilen oder weniger gut über Wege erschlossenen Revieren als nützliche Helfer bewährt. Das gilt für das Bergen von Wild entweder per Seilwinde, Gepäckträger oder Anhänger, weiterhin für den Materialtransport von Holz für den Hochsitzbau oder Werkzeug für Revierpflegearbeiten sowie für das Beschicken von Fütterungen und Kirrungen, die nur über ausgefahrene Rücke-wege erreichbar sind. 

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Technisch High End: Dieses ATV ist mit einer separaten Hydraulikanlage ausgestattet, die den Ladekran am Rückewagen mit Tandemachse antreibt.

Bei der jagd

In Revieren mit nennenswerten Wildschäden oder wenn bei kleineren Wildschadenlöchern der Einsatz von Großtechnik „mit Kanonen auf Spatzen schießen“ wäre, können zudem kleine Geräte für die Wiederherstellung der Grünlandnarbe interessant sein: In schmalen Arbeitsbreiten – etwa 1,20 m und 1,50 m – wird der Boden gefräst, anschließend eine Grasmischung ausgesät und angestriegelt. Eingesetzt werden können diese Geräte natürlich auch für die Pflege und Aussaat von Wildäckern, es gibt zusätzlich Federzinkeneggen, Kultivatoren, Striegel und sogar Kurzscheibeneggen.

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Auch viehhaltende Betriebe schwören auf das ATV: Dieser Schafbetrieb nutzt das ATV sowohl für den Transport von Werkzeug und Material als auch von separierten Tieren.

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Für jeden Anwendungsfall gibt es Zubehör in allen Varianten – hier zum Beispiel eine Halterung für Freischneider, gesehen auf der Forstmesse Elmia Wood in Schweden.

Auf Grünland

Während solche Ackerbaulösungen eher eine Randerscheinung sind, haben sich im Grünlandbereich etliche Geräte etabliert – vor allem in Weidebetrieben. Zu nennen sind dort die Wiesenschleppen und Rundballen-Lader, aber auch die Kantenschneider, mit denen unter Elektrolitzen der Aufwuchs kurzgehalten werden kann. Durch die kurze Bauweise sowie Wendigkeit der ATV lässt sich der Bewuchs an der Zauntrasse so auch in verwinkelten oder durch Busch- und Baumüberhang geprägten Wiesen und Weiden kurzhalten. Grundsätzlich ist auch das Mähen und Mulchen – sogar im Frontanbau – mit dem ATV möglich, dafür sind die Geräte meist mit Benzinmotoren zwischen 15 und 25 PS ausgestattet. Die überschaubare PS-Zahl und die geringe Arbeitsbreite macht allerdings deutlich, dass solche Systeme zum Ausmähen von Weiden sowie Mulcharbeiten mit überschaubarem Bewuchs gute Dienste leisten, sie aber bei schwierigen Bedingungen (viel Bewuchs, unebener Untergrund, große Flächen …) an ihre Grenzen kommen.

Zum Standardverfahren in großen Grünlandregionen hat sich das ATV bei der Unkrautbekämpfung entwickelt: Mit aufgebautem oder angehängtem Spritzmitteltank lassen sich so manuell Ampfer- und Distelnester wirkungsvoll bekämpfen („manuelles Spotspraying“), ohne dabei nennenswerten Schaden im Grünlandaufwuchs zu verursachen.

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Klassischer Anwendungsfall für Ackerbaubetriebe: das Streuen von Schneckenkorn mit dem ATV – schnell, zielgenau, ohne große Schäden.

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Spezialanwendung: Ziehen von Bodenproben, hier von Stickstoffgehalt in verschiedenen Bodenschichten.

Eine große Verbreitung hat das ATV auch auf Pferdebetrieben: Neben den oben beschriebenen, typischen Grünlandeinsätzen kommt noch das Schleppen, Walzen und Eineben auf Paddocks, Reitbahnen und Reitplätzen als typische ATV-Anwendung hinzu, weiterhin sind auch Stangenwagen für Reitturniere sowie Mistkarren im Einsatz.

Zu guter Letzt ist das ATV auch aus dem Winterdienst nicht mehr wegzudenken: Ausgestattet mit (hydraulisch verstellbarem) Schneeräumschild, Schneefräse sowie Salzstreuer hat sich das ATV bewährt für die Räumung beispielsweise von Bürgersteigen, aber auch von Hofflächen, schwer zugänglichen und verwinkelten Flächen sowie Kleinflächen im urbanen Bereich.

Und wer denken sollte, damit sei die Bandbreite von ATV-Anwendungen ausgeschöpft: nein, auch wenn manchmal der Sinn mancher Anwendung – etwa der Frontlader oder der Anbaubagger für ATV, der Pflug oder die Kurzscheibenegge – fraglich erscheint, weil der Einsatzzweck doch sehr begrenzt ist oder großformatigere Profilösungen als die bessere Lösung erscheinen. Wobei sich der Markt für manche Anwendungen auch erst ergibt: Wurden etwa kleine Mulcher für ATV früher mitunter als Spielerei abgetan, haben sie heute bei Pflege von Aufwuchs in Solarparks ihre Nische gefunden.

Unser Fazit: Das ATV kann für den professionellen und großflächigen Einsatz die herkömmliche Schleppertechnik nicht ersetzen, kann sie aber durchaus ergänzen, denn sie schließt die Lücke zwischen Handarbeit und Großtechnik. Entweder, wenn der Einsatzort oder die Anwendung sehr speziell und gering dimensioniert ist oder die Örtlichkeit kleinstrukturiert ist oder auf etablierte Technik nicht zugegriffen werden kann. Wie ein Blick in andere Länder zeigt, kann die Aufnahme von ATV-Anwendungen das Angebot für die landwirtschaftliche Kundschaft erweitern, neue Kundengruppen erschließen und dadurch saisonale Schwankungen glätten. Zumal viele ATV-Käufer vermutlich weniger preissensibel sind, weil sie auch für Hobbyanwendungen einen professionellen Anspruch haben. Das zeigt auch der wachsende Markt in Deutschland. Für Händler kann sich ein attraktives Zusatzgeschäft ergeben, da der Einstiegspreis bei ATV vergleichsweise niedrig ist, die Zielgruppe irgendwo zwischen Hobby, Nebenerwerb und Profi- nutzung angesiedelt ist – und die Anwendungen breit und flexibel ausfallen.


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