
© Agria
Der rein elektrisch betriebene und funkferngesteuerte Geräteträger 9700e ist die neueste Ergänzung im Portfolio von Agria. Geladen werden kann er zum Beispiel an Kfz-Ladesäulen, über die Mittagspause sind 80 Prozent zu schaffen.
Da Photovoltaik auf Agrarflächen von bis zu 2,5 ha seit kurzem als baurechtlich privilegiert gilt, braucht es bis zu dieser Größe keinen Bebauungsplan. Branchenkenner schätzen, dass daher künftig noch mehr Felder in dieser Form genutzt werden. Stephan Nieberl hat die Solarbetreiber bereits als Kunden erschlossen. Der Dienstleister aus der Region Landshut kümmert sich um die Grünflächen in den Anlagen: „Wichtig ist vor allem, dass vor den Modulreihen der Bewuchs niedrig gehalten wird, da er sonst Schatten wirft. Außerdem darf natürlich auch nichts durch die Panels wachsen.“ Außerdem müssen die Wechselrichterstation und andere wichtige Komponenten natürlich für Servicekräfte gut zugänglich sein, weshalb auch dort sauber gemäht wird.
Dafür werden die gut erreichbaren Streifen zwischen und um die Panels sowie die Ausgleichsflächen mit der jeweils passenden Technik gemäht. Parat hat Nieberl dafür ein klassisches Kreiselmähwerk von Fella ebenso wie einen Doppelmesserbalken von BB-Umwelttechnik und einen Forigo-Mulcher. Angebaut wird am Fendt 200 Vario, was der Flächennutzungsplan der jeweiligen Anlage vorschreibt. Zwischen Traktor und Mähwerk sitzt dabei ein um 15 cm nach links und rechts verschiebbares Anbaudreieck von Spezialmaschinenbau Korntheuer aus Waidhofen an der Ybbs in Österreich. „Damit können wir entweder ein Stück unter den Modultischen oder sehr nah am Zaun mähen, ohne mit dem Traktor zu nah heranfahren zu müssen.“ Ein paar Kunden möchten auch die Stützen sauber ausgemäht haben, wofür Nieberl einen Kneilmann Zaunkönig angeschafft hat: Dieser ist eigentlich für die Pflege von Zäunen konzipiert worden, funktioniert aber natürlich auch zwischen den Solarpark-Standelementen.
Da häufig aus ökologischen Gründen eine Abmagerung der Wiesen angestrebt wird, muss das Schnittgut abgefahren werden. Zwischen den Panelen kann aber weder Ladewagen noch Häcksler arbeiten. Nieberl setzt daher auf Rundballen. Das Legen auf Schwad erfolgt dafür im Bereich außerhalb der Module sowie auf den Ausgleichsflächen mit einem klassischen 2,9 m breit arbeitenden Einkreisel-Heckschwader von Fendt. Zwischen den PV-Reihen arbeitet Niebler mit einem finnischen Agronic Mittelschwader, der an der Traktorfront montiert wird. In sehr beengten Anlagen funktioniert die Maschine auch am Frontlader. In manchen Fällen wird der Schwader auch im Heck montiert und dann rückwärts gefahren. Welche Variante wo am besten passt, muss man sich laut Nieberl erarbeiten. Anschließend kommen Ballenpressen von Kuhn, Deutz-Fahr oder Krone zum Einsatz, je nachdem, welcher Dienstleister mit passenden Geräten gerade verfügbar ist. „An der eigenen Maschine haben wir dafür eine Knickdeichsel verbaut, wie am Rückewagen aus dem Forst. Damit kommen wir auch in den sehr engen Verhältnissen zurecht“, erklärt Nieberl.

© Nieberl
Stephan Nieberl setzt teilweise umgerüstete Standardtechnik ein, um in Solarparks die Grünflächen zu pflegen: Kreiselmähwerk, Mulcher, Mähdeck und Messerbalken gehören zum Portfolio.
Die Verwertung des Schnittgutes als Tierfutter ist meist nicht möglich, denn die meisten Betreiber lassen nur einmal jährlich im Hochsommer mähen. Dann ist das Pflanzenmaterial aber schon sehr alt. Auch Heu lässt sich in der PV schlecht machen, da der Boden großteils beschattet ist. Das zum Trocknen erforderliche Wenden wäre dort ebenfalls schwierig, schon allein durch die Gefahr des Steinschlags. Daher wandert Nieberls Schnittgut in den allermeisten Fällen in die Biogasanlage. So wird auch daraus nochmal Strom. Die Rundballen werden direkt an der Biogasanlage mit spezieller Zange am Frontlader wieder aufgeschnitten: Der Ballen wird dabei mit einem Haken am Netz angehoben, dann wird er in der Mitte hydraulisch durchgeschnitten, das Netz bleibt am Haken. So kann das Gras dort sauber verwertet werden.
Unter den Solarmodulen mäht das Team von Nieberl mit regulären Frontmähern, wie sie etwa auf Sportplätzen oder im Kommunalbereich eingesetzt werden. Statt dem Mähdeck treibt die Zapfwelle hier einen 1,6 m breiten Schlegelmulcher an. Künftig könnten diese Mäharbeiten von autonomer Technik erledigt werden, Nieberl ist bereits mit entsprechenden Firmen im Gespräch: „Da wir mit der größeren Technik ja sowieso vor Ort sind, könnten wir parallel auch die Aufsicht über einen Roboter mit übernehmen“, erklärt der Dienstleister. Zudem sind die Solarparks per Zaun umfriedet, wodurch auch den rechtlichen Hürden für den Betrieb autonomer Maschinen genüge getan ist.

© Schäffer
Mit dem 1622 hat Schäffer einem sehr kompakten Hoflader eine 28 l/min-Hydraulik spendiert, womit auch ein Mulcher zwischen den Solarreihen betrieben werden kann.

© Agronic
Der finnische Agronic WR500 Mittelschwader wird von Dienstleister Nieberl neben der Fronthydraulik auch am Lader oder im Heck (Schubfahrt) betrieben.
Pflege mit dem Aufsitzmäher
Auch Harald Ernstberger, Inhaber von „Joe´s Forstservice“ pflegt bereits seit einigen Jahren Solarparks. Er ist dabei mit Aufsitz-Technik von AS-Motor unterwegs. Denn der Bewuchs dort ist entsprechend hoch, meist mehr als einen halben Meter, und teils durchsetzt mit Wildkräutern und allerlei Gestrüpp. Außerdem sind die Solarpark-Gelände oft nicht ganz einfach zu mähen, zum Teil uneben, bei einigen handelt es sich auch um anspruchsvolle Hanglagen. „Der Abstand zwischen den Modulreihen in den Solarparks ist oft so breit, dass wir etwa fünfmal hin- und hermähen. Dann steht meist noch ein etwa 20 bis 30 Zentimeter breiter Streifen, der es erforderlich macht, eine weitere Bahn zu ziehen. Mit einer Maschine mit 10 cm mehr Arbeitsbreite konnten wir diese zusätzliche Bahn einsparen“, so Ernstberger. Zudem sei ein über die Radspur hinausragendes Mähdeck sehr praktisch: „So können wir sehr nah und sauber an die Panels heranarbeiten – ohne dabei riskieren zu müssen, einen Reifen aufzureißen, wie es mit anderen Mähern, die ein weniger ausladendes Mähwerk haben, durchaus passieren kann.“
Ist die Solaranlage hofnah aufgestellt und wird von einem Landwirt selbst betrieben, kann dafür auch ein Hoflader genutzt werden. Schäffer etwa hat für solche Einsätze das Modell 1622 mit einer für seine Dimension relativ großzügigen Hydraulik ausgestattet: Der etwa einen Meter breite Lader schickt 28 l/min bei 200 bar in seine Leitungen, wodurch ein 1,2 m breiter Mulcher problemlos bespielt werden können soll. Dass diese Fahrzeugkombination immer gefragter wird, bestätigte uns auch Mulcher-Hersteller Müthing, nach deren Erfahrung diese Klasse bis vor etwa fünf Jahren noch kaum gefragt gewesen sei, nun aber wachse.
Hersteller Agria – bisher vor allem durch seine Einachser bekannt – setzt bei der Solarpark-Pflege auf das Mähraupen-Konzept: Durch ihre niedrige Bauform können die Geräte auch unter flachen Tischen arbeiten. Denn eine einheitliche Normhöhe ist hier nicht etabliert, viele Tische sind an ihrer niedrigen Seite aber durchaus nur 80 cm vom Boden entfernt montiert. Größere Geräte oder Aufsitztechnik komme daher nicht überall oder schwierig an manche Stellen.

© HyCleaner
Der SolarRobotPro des deutschen Herstellers Hycleaner kann mit Wasser und Bürsten Solaranlagen reinigen.

© HyCleaner
Der SolarRobotPro fährt mit Tempomat über die Solartische. Durch Sensoren erkennt er die Kante und stoppt, bevor er abstürzt.
Auch oben muss es sauber sein
Auch die Solaranlage selbst muss regelmäßig gepflegt werden, vor allem hinsichtlich Verschmutzung. Relevant wird das nach Erfahrung der von uns konsultierten Experten aber meist erst, wenn sich in der Umgebung eine größere Schmutzquelle befindet, etwa eine Bahnlinie oder Autobahn, Industrieschornsteine oder Steinbrüche, um nur einige Beispiele zu nennen. Wenn das Wetter viel Saharastaub mitbringt oder es während der Feldarbeit in der Landwirtschaft sehr trocken ist, kann der sich ablegende Staub ebenfalls zu Leistungseinbußen führen. Sand und Staub bieten zudem gute Lebensbedingungen für Pilze, Flechten und Moose, welche sich bei längeren Verschmutzungen ebenfalls bilden und dann noch mehr Schmutz Halt bieten. Loser Staub dagegen wird im Sommer problemlos durch Regen runtergewaschen. Hartnäckigere Dinge wie Reifenabrieb oder Abgasruß aber haften oft stärker und binden dann ebenfalls die eigentlich nur lose aufliegenden Partikel.
Technik dafür bietet die Firma HyCleaner aus Gronau: Ob sich eine Reinigung lohnt, sei nach deren Erfahrung von den Verlusten abhängig, die durch die Verschmutzung entstehen. Diese müssten im Verhältnis zu den Kosten einer Reinigung stehen. Das lässt sich über einen Verlustrechner ermitteln, den die Firma online kostenlos anbietet. Ihre Erfahrungswerte zeigen, dass Verluste zwischen 8 und 30 % je nach Standort schnell erreicht sind. Beispielsweise sehe man auf vielen Gewerbedächern rund 12 % Verschmutzung, in der Landwirtschaft bis zu 30 %. Freiflächen haben dabei aufgrund des Standortes häufiger einen besseren Wert von circa 5 bis 10 %. Bei starken Verschmutzungen entstehe laut HyCleaner außerdem die Gefahr von Hot Spots, die zur Zerstörung der Panels führen können: Sind einzelne Zellen durch den Schmutz vollständig verschattet, erzeugen sie keine elektrische Spannung mehr. Dadurch wirken sie wie eine Barriere in der Reihenschaltung des Solarmoduls, während die übrigen Teile weiterhin Strom erzeugen. Aufgrund dessen können die Solarzellen so stark überhitzen, dass sie zerstört werden.
In Europa seien das Verschmutzungsbild und die Standortkriterien, die zu den Verschmutzungen führen, sehr unterschiedlich. In der Nähe zu Industrie- und Landwirtschaftsbetrieben müssen die Anlagen tendenziell häufiger gereinigt werden als beispielsweise in Stadtgebieten. So könne das Reinigungsintervall von alle sechs Wochen bis hin zu mehreren Jahren betragen. Um optimale Ergebnisse zu erreichen, empfiehlt HyCleaner ein bis zwei Reinigungen pro Jahr: einmal nach der kalten Jahreszeit bzw. der ersten Blüte sowie nach der trockenen Zeit im Herbst, damit die Anlage zur typischerweise ertragsschwachen Winterzeit bei optimalen Bedingungen laufen kann. Bei hartnäckigen Verschmutzungen helfen zudem die herbstlichen Regenperioden beim Einweichen. HyCleaner hat für solche Einsätze einen halbautomatischen Reinigungsroboter entwickelt, der direkt auf den Panelen fahren kann, auch auf Dünnschichtmodulen. Sensoren erkennen dabei die Ränder der Tische, was ein Abstürzen verhindert. Per Arbeitsbühne können die Geräte auch auf Dachanlagen arbeiten. Möglich sind damit je nach Konfiguration 1.100 bis 2.400 m2 pro Stunde. Abhängig vom Oberflächenzustand sind bis 25° Neigung möglich, mit Seitenführung auch bis 45°. Versorgt werden die Roboter dabei durch einen Schlauch, an dem idealerweise spezielle Filtertechnik aufbereitetes Leitungswasser bereitstellt. Dieses enthält normalerweise verschiedene Mineralien wie Kalk und Salze. Verdunstet das normale Leitungswasser, bleiben diese Bestandteile auf der Oberfläche zurück, beispielsweise in Form von Kalkflecken. Auch wenn das nur sehr feine Rückstände sind, bilden sie eine leichte Erhebung, an der etwa Rußpartikel und Staub hängenbleiben. Die Folge: Die gereinigte Oberfläche verschmutzt schneller und muss früher erneut gereinigt werden. Ein spezielles Osmose-Filtersystem reinigt das Wasser von diesen kleinsten Bestandteilen. Dadurch entstehen keine Rückstände bei der Verdunstung und die Oberfläche bleibt länger sauber. Gleichzeitig sei die Reinigungskraft dabei laut HyCleaner so gut, dass aggressive Putzmittel mit Silikonen, synthetischen Schleifmitteln oder Säuren überflüssig werden.















