Fokus Gebrauchte – Amazone - Mit Vermietung neue Wege beschreiten

Bei Maik Winter dreht sich alles um Gebrauchttechnik. Vor knapp drei Jahren ist er zu den Amazone-Werken gekommen und seither für die Vermarktung der werkseigenen Ausstellungs- und Vorführmaschinen zuständig. Im Gespräch mit dem eilboten berichtet er über den Geschäftsverlauf in Corona-Zeiten und über das neue Vermietungsprojekt in Zusammenarbeit mit Claas.

Fokus Gebrauchte – Amazone: Mit Vermietung neue Wege beschreiten

Seit Juni können an einigen First Claas Rental Stationen Amazone Anbaugeräte gemietet werden.

eilbote: Seit diesem Sommer können Landwirte Amazone Bodenbearbeitungsgeräte über First Claas Rental anmieten. Welches Potenzial sehen Sie in der Vermietung?

Maik Winter: Im Rahmen dieses Pilotprojekts wollen wir gemeinsam mit den Claas Vertriebspartnern das Potenzial von Mietkonzepten in verschiedenen Regionen ausloten. Dadurch sammeln wir neue Erfahrungen, zum Beispiel was das Handling angeht: Also, wie aufwändig ist es, Maschinen rauszugeben und zurückzunehmen oder wie sieht es in den verschiedenen Regionen mit dem Verschleiß aus?

Im Westen und Norden gibt es keine Mietstandorte.

Die Vermietung erfolgt über First Claas Rental Stationen, die auch Amazone Premium-Partner sind. Damit gewährleisten wir unseren Kunden ein hohes Kompetenzniveau im Service und Kundendienst an der jeweiligen Mietstation. Derzeit sind es vier Standorte – zwei im Osten und zwei im Süden Deutschlands, die mit komplett unterschiedlichen Bodenverhältnissen und landwirtschaftlichen Betriebsstrukturen konfrontiert sind.

Wie erfolgt die Abrechnung?

Es ist eine Mischkalkulation aus Fixum je Tag und inkludierter Hektarleistung. Wird die festgelegte Hektaranzahl überschritten, wird ein entsprechender Aufpreis berechnet. Dabei erfolgt die Hektarerfassung je nach Geräteausstattung per ISOBUS oder über einen externen Hektarzähler.

Hat der Mietkunde die Möglichkeit, die Maschine aus der Miete zu übernehmen, nachdem er sie ausprobiert hat?

Das ist sicher auch eines der Ziele, welche wir mit der Vermietung verfolgen. Bodenbearbeitungsgeräte sind schließlich sehr speziell und haben ihren spezifischen Einsatzzweck in der Region. Durch die Miete hat der Kunde die Möglichkeit, die Maschine zum Beispiel im Rahmen der Herbstbestellung kennenzulernen. Wir gehen davon aus, dass unsere Kunden von der Arbeit der Maschinen so überzeugt sind, dass es in vielen Fällen zu einer Übernahme kommen wird.

Sind bereits Maschinen in der Vermietung?

Unser gemeinsames Pilotprojekt mit Claas wurde offiziell am 1. Juni gestartet. Im Osten, wo die Ernte früh abgeschlossen war, sind bereits die ersten Maschinen zur Stoppelbearbeitung vermietet. Im Süden, wo die Ernte später begonnen hat, kommen seit Anfang August die ersten Anfragen.

Zunächst konnten lediglich Bodenbearbeitungsgeräte angemietet werden...

...das hat saisonale Gründe. Das Projekt ist in der Getreideernte gestartet, daher wurden zunächst Maschinen für den Stoppelsturz benötigt, also vor allem Scheibeneggen und Grubber. Seit Mitte August werden auch Pflüge und Sätechnik in die Miete ausgeliefert.

Vor knapp drei Jahren sind Sie zu den Amazonen-Werken gekommen, um die Vermarktung der werkseigenen Gebrauchtmaschinen zu professionalisieren...

...wir sind damals im Grunde bei Null gestartet. Meine Stelle im Gebrauchtmaschinenbereich hatte es zuvor nicht gegeben und wurde neu geschaffen. Mittlerweile ist das Gebrauchtmaschinenzentrum der Amazonen-Werke neben dem Ersatzteilzentrum im Werk in Leeden angesiedelt. Dadurch sind kurze Wege zu den Ersatz- und Verschleißteilen möglich. Ein zweiköpfiges Werkstattteam kümmert sich hier um die Aufarbeitung und Endkontrolle der Maschinen. Die Gebrauchtmaschinensparte der Amazonen-Werke wächst stetig.

Die Amazone-eigenen Gebrauchtmaschinen kommen zunächst zentral nach Leeden?

In der Regel schon. Dort werden sie von unseren Experten auf den aktuellen Stand der Technik gebracht und, falls erforderlich, werden Verschleißteile gewechselt. Ein weiterer Fokus liegt auf der Aktualisierung der Software. Die Software der Gebrauchtmaschinen ist immer auf dem aktuellen Stand. Darauf legen wir großen Wert.

Wie groß ist der Amazone-Pool an jungen Gebrauchtmaschinen?

Er ist saisonal unterschiedlich und recht umfangreich, was natürlich im Wesentlichen unserer Betriebsgröße geschuldet ist. Die Amazonen-Werke arbeiten international intensiv mit Ausstellungs- und Vorführmaschinen. Diese werden regelmäßig ausgetauscht, damit stets die aktuellen Entwicklungen präsentiert werden können. Wenn sie ihr „Tauschalter“ erreicht haben, kommen sie in das Gebrauchtmaschinenzentrum und wir kümmern uns um die weitere Vermarktung.

Im Wesentlichen handelt es sich um Maschinen, die aus dem werkseigenen Fuhrpark kommen?

Unser Gebrauchtmaschinen-Pool bildet die komplette Amazone-Palette ab – vom Kommunalgerät bis hin zur Landmaschine mit großer Arbeitsbreite. Der Schwerpunkt, was die Maschinenart angeht, hängt vor allem vom Marktgeschehen im Neuverkauf ab, also davon, welche Fokusmaschinen besonders intensiv vorgeführt wurden. Das unterscheidet sich von Jahr zur Jahr: Derzeit liegt zum Beispiel ein Schwerpunkt des Neuvertriebs auf dem Pflug und auf Sämaschinen, so dass im nächsten Jahr mit einem größerem Gebrauchtbestand an gezogenen Säkombinationen zu rechnen ist.

Der Vertrieb erfolgt über den Handel...

...ja. Amazone vermarktet die werkseigenen Gebrauchtmaschinen ausschließlich über das Amazone-Netzwerk bzw. die Amazone-Partner.

Wie hoch ist die Exportquote?

Im Gebrauchtgeschäft halten sich das Inlands- und Auslandsgeschäft mit 50 zu 50 in etwa die Waage. Damit unterscheiden wir uns durchaus vom Neuvertrieb, der eine Exportquote von rund 80 Prozent aufweist.

Was sind Ihre wichtigsten ausländischen Absatzmärkte für Gebrauchtmaschinen?

Wir haben gute Märkte für Gebrauchtmaschinen in Südosteuropa. Derzeit tut sich in dieser Richtung einiges. Der Absatz in Richtung Asien ist zwar noch im Aufbau, weist aber jetzt schon eine positive Entwicklung auf. Allerdings ist er Corona-bedingt wieder ein wenig ins Stocken geraten.

Wie sieht es im Westen, also in Frankreich, aus?

Frankreich ist für die Amazonen-Werke ein sehr wichtiger Markt. Wir betreiben dort ein eigenes Werk, in dem die Kommunalgeräte gefertigt werden, und haben dort eine Vertriebstochter. Die französischen Händler verstehen es gut, Neumaschinen zu verkaufen und setzen darauf ihren Fokus. In Frankreich werden Gebrauchtmaschinen daher nur in geringen Stückzahlen verkauft. Dort in Zahlung genommene Gebrauchtmaschinen finden nicht selten ihren Neubesitzer in Südosteuropa. Diese Gebrauchtmaschinengeschäfte organisiert die französische Amazone Vertriebstochter mit den Vertriebspartnern selbst.

Unterstützen Sie den Handel bei der Vermarktung von gebrauchten Amazone Gebrauchtmaschinen?

Wenn die Händler Unterstützung bei der Rücknahme einer Amazone Maschine benötigen, weil sie deren Wert nicht einschätzen können, dann stehe ich ihnen bei der Preisfindung zur Verfügung. Passt eine in Zahlung genommene Maschine nicht in das Hausgebiet des Händlers, bieten wir ihm die Möglichkeit, sie in unser Netzwerk einzustellen, so dass auch andere Händler darauf zugreifen können.

Macht Corona alles anders?

Corona macht es tatsächlich anders. Das Amazone Gebrauchtmaschinengeschäft hat aber trotz Corona eine gute Entwicklung hingelegt. Natürlich war es auch für uns ein Problem, dass die Kunden uns nicht besuchen konnten. Schließlich wird eine Gebrauchtmaschine nicht aus dem Prospekt gekauft, sondern eher nach einer Besichtigung vor Ort. Daher mussten wir neue Wege gehen. Zum Beispiel haben wir recht häufig die Gebrauchtmaschinen im Video festgehalten und in Bild und Ton erklärt, damit der Kunde einen Eindruck von der Maschine erhält. So gesehen war der Gebrauchttechnikverkauf anders und vielleicht auch ein wenig aufwändiger – er hat aber dennoch gut funktioniert.

Also hat Corona den Umsatz nicht negativ beeinflusst?

Nein. Wir sind auf einem stabilen Niveau.

Wie ist das Investitionsklima in Bezug auf Gebrauchttechnik?

In meinem Bereich stelle ich fest, dass die Landwirte weiterhin investieren. Weniger Corona und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, sondern vielmehr die fehlenden Niederschläge stehen aktuell bei der Kommunikation mit den Landwirten im Vordergrund.

Es sind also eher die Witterung und die daraus resultierenden Ernteeinbußen, die derzeit über das Investitionsverhalten der Endkunden bestimmen.

Bringt die Mehrwertsteuersenkung zusätzliche Impulse?

Bisher nicht. Allerdings ist in unserem Bereich alljährlich ein Großteil der Käufe bereits vor der Getreideerntesaison abgeschlossen und es geht erst ab September ins für uns wichtige Herbstgeschäft. Dann werden wir mehr wissen...

Zur Person

Fokus Gebrauchte – Amazone: Mit Vermietung neue Wege beschreiten

Maik Winter ist als Werksbeauftragter für Gebrauchtmaschinen bei den Amazonen-Werken tätig. Zum Used-Bereich des Herstellers gehören hochwertige Demo-, Vorführ- und Ausstellungsmaschinen, für deren professionelle Vermarktung der 45-jährige Landmaschinenmechaniker-Meister und Betriebswirt verantwortlich zeichnet. Das werkseigene Gebrauchtportfolio beinhaltet die gesamte Produktpalette, die zentral in Leeden aufbereitet und präsentiert wird.

Kontakt:

Maik Winter

Werksbeauftragter für Gebrauchtmaschinen

Amazonen-Werke H. Dreyer GmbH & Co. KG

D-49205 Hasbergen

Telefon (0 54 05) 5 01 73 02

Mobil 01 51-11 80 26 19

maik.winter @ amazone.de

Die Fragen stellte Annette Schulze Ising

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Amazone

Herstellerdaten Amazone

  • Gründungsjahr: 1883
  • Umsatz in Mio. €: 481
  • Anzahl Mitarbeiter: 1900
  • Branche: Landtechnik
  • Website: http://www.amazone.de

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