Magazin Landwirtschaft

Lohnunternehmen :

Sattelfest und flexibel im Markt

3.000 professionelle Lohnunternehmer gibt es allein in Deutschland. Hinzu kommt eine erhebliche Zahl von Nebenerwerbs-Betrieben, die Dienstleistungen in Nachbarschaftshilfe anbieten. Lohnunternehmen investieren jährlich rund 450 Mio. Euro in neue Technik.

Lohnunternehmen: Sattelfest und flexibel im Markt

Lohnunternehmer bieten, wie im Foto die Firma Agrolohn, auch Technik für Spezialeinsätze.

Im außerlandwirtschaftlichen Bereich haben sich viele Betriebe auf diverse Arbeitsbereiche spezialisiert. Dazu zählen zum Beispiel Kommunalarbeiten, Wegebau, Landschaftsbau, Gewässerpflege, Transporte, Umweltschutz, Kompostierung, Grünflächenpflege, Rekultivierungen oder Erd- und Baggerarbeiten. „In einigen Unternehmen haben die außerlandwirtschaftlichen Umsatzzahlen längst die Oberhand gewonnen,“ beschrieb der Geschäftsführer des Bundesverbandes Lohnunternehmen, Alfred Schmid, auf der DeLuTa in Münster die Entwicklung. Dies bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass zugleich die Dienstleistungen für Landwirte reduziert werden, sondern dass die neuen Betriebszweige sich besser entwickelt haben.

Große Marktfruchtbetriebe setzen auf Lohnunternehmer

Nach wie vor sind immer noch fast 60 Prozent aller Lohnunternehmer in den drei norddeutschen Bundesländern (Niedersachsen, NRW, Schleswig-Holstein) angesiedelt. Besonders stark vertreten ist die Branche in den Veredlungsregionen. Ein wesentlicher Faktor für die Nachfrage nach Lohnarbeiten ist die Verfügbarkeit von Arbeitskapazitäten in den landwirtschaftlichen Betrieben, betonte Schmid.

Aber auch in Ackerregionen haben sich die Zeiten geändert. Während bisher einzelbetriebliche Lösungen im Vordergrund standen, sind heute Betriebsgemeinschaften mit Einheiten von 300 Hektar und mehr keine Seltenheit mehr. Parallel zu dieser Entwicklung bietet eine wachsende Anzahl von Lohnunternehmern erfolgreich ihre Dienstleistungen an, denn selbst bei Kooperationen überschreitet der für die Technik erforderliche Kapitalaufwand durchweg den finanziellen Rahmen landwirtschaftlicher Betriebe.

Rasante Entwicklung im Süden

„In Süddeutschland, insbesondere in Bayern, hat sich die Branche in den letzten Jahren stark entwickelt. Während sich in den Kernregionen der Veredlung die Anzahl der Lohnunternehmer kaum noch verändert, entstehen im Süden viele neue Lohnbetriebe,“ beschreibt Schmid den derzeitigen Entwicklungstrend. Seit Jahren existente Betriebe erweitern ihr Angebot auf zusätzliche Aufgabenfelder und verzeichnen zum Teil erhebliches Wachstum. Aus Nebenerwerb wird Vollerwerb. Deshalb wird auch im Süden sehr schnell eine vergleichbare Lohnunternehmerstruktur entstehen, so die Prognose.

Auch in Ostdeutschland haben sich Lohnunternehmer erfolgreich etabliert. Die früheren Agro-Service-Unternehmen, die neu gegründeten Lohnbetrieben stellen zusammen mit den Zweigniederlassungen westdeutscher Lohnunternehmer eine wichtige Säule des professionellen Maschineneinsatzes dar.

Deutliche Wachstumsraten vorherzusehen

Die aktuellen Umsatzzahlen der Branche werden sich im Jahre 2008 einschließlich der außerlandwirtschaftlichen Umsätze voraussichtlich auf etwa 2,5 Mrd. Euro Umsatz addieren. Insbesondere die professionellen Betriebe verzeichnen deutliche Wachstumsraten, die im Wesentlichen auf zusätzliche Aufgaben im Umfeld der Landwirtschaft, insbesondere aber auch im Energiesektor zurückzuführen sind. In gut 90 Prozent der Bio-gasanlagen übernehmen Lohnunternehmer Arbeiten. Was witterungsbedingt im Frühjahr durch den sehr späten Start an Umsatz fehlte, konnte in der zweiten Jahreshälfte mehr als ausgeglichen werden.

Ähnlich wie in der Landwirtschaft ist im Lohnunternehmen ein Trend zu größeren Betrieben festzustellen. Etwa 30 Prozent der Unternehmen setzen jährlich zwischen 250.000 und 600.000 Euro um. 40 Prozent erreichen einen Umsatz von über 600.000 Euro, wobei die Bandbreite nach oben sehr groß ist. Viele überwiegend in Nord- und Ostdeutschland angesiedelte „Großbetriebe“ (ca. vier bis fünf Prozent der Lohnbetriebe) erzielen einen Umsatz von mehr als zwei Millionen Euro, aber auch Umsatzzahlen von 10 Millionen Euro sind heute keine Ausnahme mehr.

Lohnunternehmer bestimmen den Markt

Der BLU geht nach internen und externen Erhebungen davon aus, dass Lohnunternehmer bundesweit je nach Region zwischen 60 und über 90 Prozent aller so genannten überbetrieblichen Arbeiten erledigen. Im Durchschnitt liegt der Marktanteil bei über 70 Prozent

Pro Jahr investieren Lohnunternehmer über 450 Mio. Euro in neue Technik. Sie stellen deshalb für die Landmaschinenindustrie insbesondere bei teuren Spezialmaschinen eine der wichtigsten Zielgruppen dar.

Parallel zur eigentlichen Arbeitserledigung bauen Lohnunternehmer die Beratung aus. Die Beschaffung von Betriebsmitteln, wie z.B. Pflanzenschutzmittel oder Saatgut durch den Lohnunternehmer ist die Regel. Der Trend in der Dienstleistung bewegt sich weg vom „Spitzenbrecher“ hin zum kompletten Serviceunternehmen.


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