AGCO/Fendt - Marktoberdorfer trotzen der Corona-Krise

Zweitbestes Ergebnis der Firmengeschichte für 2020 prognostiziert – 18.750 verkaufte Traktoren erwartet – Stilllegung von Zulieferbetrieben in Italien und Frankreich führte zur Produktionsunterbrechung

AGCO/Fendt: Marktoberdorfer trotzen der Corona-Krise

Der neue Fendt-Chef Christoph Gröblinghoff präsentierte die Fendt-Bilanz.

Der Landtechnikhersteller Fendt erwartet für das laufende Jahr ungeachtet der Schwierigkeiten durch die Corona-Pandemie ein „sehr ordentliches“ Ergebnis. Wie der Vorsitzende der AGCO/Fendt Geschäftsführung, Christoph Gröblinghoff, am vergangenen Mittwoch vor Journalisten in Marktoberdorf berichtete, rechnet das Unternehmen für 2020 mit dem zweitbesten Ergebnis der Firmengeschichte. Demnach gehen die Marktoberdorfer in diesem Jahr von etwa 18.750 verkauften Traktoren aus; gegenüber dem Vorjahr entspräche das einem Minus von nur 1 %. Laut Gröblinghoff hatte Fendt zu Jahresbeginn die selbstgesteckte Zielmarke von 20.000 verkauften Einheiten noch fest im Blick. Durch die coronabedingte fünfwöchige Produktionsunterbrechung aufgrund der Stilllegung von Zulieferbetrieben in Italien und Frankreich sowie die erheblichen Marktrückgänge auf verschiedenen Volumenmärkten sei das ambitionierte Ziel aber nicht mehr zu halten gewesen. Die Zwangspause wurde nach Angaben des Unternehmenschefs dazu genutzt, um sich vorzubereiten und Maßnahmen zum Schutz der Mitarbeiter umzusetzen. Seit Anfang Mai laufe die Produktion ohne coronabedingte Unterbrechungen; gut die Hälfte des Produktionsrückstandes im Traktorenbereich sei mit Sonderschichten bis Ende September aufgeholt worden. In Deutschland hat sich der Traktorenmarkt nach Gröblinghoffs Worten erfreulich stabil gezeigt. Von Januar bis August 2020 habe es insgesamt 21.219 Neuzulassungen gegeben; das seien fast 6 % mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres gewesen. „Die Landwirte und Lohnunternehmer lassen sich nicht verunsichern und investieren in vernünftigem Umfang in neue Maschinen“, so der Vorsitzende der Fendt-Geschäftsführung. Laut seinen Angaben konnte das Unternehmen seine Marktposition ausbauen. Im Leistungsbereich über 200 PS belege Fendt mit 40,1 % Marktanteil den ersten Platz; ab 400 PS sei sogar fast jeder zweite Schlepper ein Fendt der Baureihe 900 oder 1000 Vario.

Marktanteile ausgebaut

In Europa entwickeln sich die Traktorenmärkte laut Gröblinghoff sehr unterschiedlich. Neben Ländern mit stabiler oder sogar steigender Nachfrage, zu denen auch die Schweiz, Schweden, Polen und Österreich gehörten, gebe es allerdings auch Volumenmärkte mit teils zweistelligen Rückgängen. Beispiele seien Frankreich, Italien, Großbritannien, Spanien, Norwegen, Tschechien, Ungarn und Rumänien. Insgesamt werde in Europa ein Marktrückgang um etwa 6 % erwartet, und zwar von 171.000 Einheiten im Jahr 2019 auf rund 160.000 Einheiten in diesem Jahr. Fendt konnte seine Position den Unternehmensangaben zufolge allerdings stärken und seinen Marktanteil auf mehr als 10 % ausbauen. Gesteigert worden sei zudem der Absatz auf den globalen Märkten Nord- und Südamerikas sowie der Region Asien/ Pazifik/Afrika, und zwar um 20 % auf rund 1.800 Einheiten. In Deutschland beschäftigte Fendt nach eigenen Angaben zur Mitte des Jahres an allen sechs Standorten insgesamt 5.958 Mitarbeiter und damit 117 mehr als Ende 2019. Die Umstellung der Traktorenmontage in Marktoberdorf auf ein Zweischichtsystem und die Erhöhung der Tagesproduktion sei nur mit zusätzlichen Beschäftigten möglich gewesen.

Bei den Fendt Raupentraktoren liegen die Planungszahlen bei einem Absatz von ca. 110 Einheiten. Die im Rahmen der internationalen AGCO/Fendt Pressekonferenz vorgestellte neue große Raupe Fendt 1100 Vario MT wird ihren Teil dazu beitragen.

Fendt Ideal im Feld

Mit der neuen Fendt Ideal Baureihe und den Schüttler-Modellen erreicht Fendt im Jahr 2020 mit 360 Einheiten eine etwa ähnliche Stückzahl wie im Vorjahr. Auch hier beeinflusste die Corona-Pandemie entscheidend das Geschäft. „Die rasante Ausbreitung des Corona-Virus in Norditalien hat ab März 2020 zu längeren Werksschließungen beim AGCO-Mähdrescherwerk in Breganze/Italien geführt. Dadurch kam es zu Produktionsausfällen und Auslieferungsverzögerungen. Die betroffenen Kunden haben wir gemeinsam mit den Fendt Vertriebspartnern individuell unterstützt“, erläuterte Christoph Gröblinghoff.

Beim Feldhäcksler Fendt Katana waren und sind die neuen Modelle Katana 650 im Einsatz. Bei den Quaderballenpressen erwartet Fendt dieses Jahr 116 Einheiten. Bei den Rundballenpressen konnte die Absatzzahl im dritten Verkaufsjahr bereits auf über 1.000 Einheiten gesteigert werden.

Bei den Fendt Futtererntetechnikmaschinen Mähwerke, Zetter und Schwader rechnet Fendt in diesem Jahr mit 3.400 Einheiten. In diesem Jahr erwartet Fendt einen Absatz von 236 Fendt Ladewagen. Bei den gezogenen und Selbstfahrspritzen bleibt Fendt auf dem Niveau von ca. 200 Einheiten.

Wichtige Rolle für Fendt

Ausdrücklichen Dank richtete Gröblinghoff an den scheidenden AGCO-Vorstandsvorsitzenden Prof. Martin Richenhagen. Der Konzernchef habe die Marke Fendt maßgeblich unterstützt und bei der AGCO-Führung immer wieder Überzeugungsarbeit für große Investitionen geleistet. In den letzten 16 Jahren seien umgerechnet rund 850 Mio Euro in die deutschen AGCO-Standorte und die Fendt-Traktorenentwicklung investiert worden. „Wie kein anderer hat Martin Richenhagen die Marke Fendt stark gefördert, aber auch extrem gefordert“, so der Vorsitzende der Fendt-Geschäftsführung. Richenhagen wird seinen Posten zum Jahreswechsel räumen. Nachfolger wird der derzeitige Senior Vice President und Leiter des operativen Geschäfts von AGCO, Eric Hansotia. Der scheidende Konzernchef betonte, Bedenken hinsichtlich möglicher Konsequenzen eines Führungswechsels seien unnötig. „Ich verspreche Ihnen, mein Nachfolger wird einen besseren Job machen als ich“, erklärte Richenhagen. Entscheidungen bei Fendt seien nicht gefallen, weil an der Konzernspitze ein Deutscher gestanden habe, sondern weil sie betriebswirtschaftlich sinnvoll gewesen seien. Fendt werde in der künftigen Konzernstrategie eine „unglaublich wichtige Rolle“ einnehmen. Laut Hansotia bedient AGCO mit der Marke Fendt das Kundensegment „mit den höchsten Erwartungen an Technologie, Qualität und Leistung“.

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Fendt

Herstellerdaten Fendt

  • Umsatz in Mio. €: 6748 (AGCO Konzernumsatz)
  • Anzahl Mitarbeiter: 14500
  • Branche: Landtechnik
  • Website: http://www.fendt.com

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