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Agco :

Vom Labor aufs Feld

In der Ostschweiz haben der Landtechnikhersteller Agco, sein Schweizer Vertriebspartner GVS-Agrar und das regionale landwirtschaftliche Bildungszentrum Arenenberg die „Swiss Future Farm“ gegründet.

Agco: Vom Labor aufs Feld

Die „Future Farm“ von Agco zeigt Landwirten die digitalen Möglichkeiten. Hier an dem Fahrsimulator für den Ideal-Mähdrescher.

Mehrere tausend Besucher kamen zur Eröffnung der
„Swiss Future Farm“.

Mehrere tausend Besucher kamen zur Eröffnung der „Swiss Future Farm“.

Die „Swiss Future Farm“ befindet sich in Tänikon, wo die drei Projektpartner die notwendigen Flächen und Betriebseinrichtungen pachten konnten. Möglich wurde dies, weil das schweizerische Kompetenz-Zentrum für Agrarforschung (Agroscope) seine Aktivitäten zentralisieren möchte und deshalb nicht mehr benötigte Infrastrukturen an Dritte abtritt. So stieg in Tänikon erst das regionale landwirtschaftliche Bildungszentrum Arenenberg ein, fand dann seinerseits mit Agco sowie GVS Agrar zwei weitere Partner für den Aufbau dieses „durchdigitalisierten“ Betriebs. Ein organisatorisch nicht einfach zu führendes Konstrukt, in der Thematik ist es aber eine überaus spannende Sache.

Ziel des Projekts ist es, moderne Precision-Farming-Technologien für die Landwirtschaft von morgen sichtbar und verständlich zu machen. Dazu sollen die jetzt schon und künftig vorhandenen Instrumente auf dieser rund 80 Hektar großen Farm auf ihre Praxistauglichkeit überprüft, mit konventionellen Methoden hinsichtlich ihrer Wirtschaftlichkeit verglichen sowie die entsprechenden Resultate und Lösungsansätze der Landwirtschaft vermittelt werden.

Bei der Eröffnungsfeier Mitte September wurde nun ein erster Einblick in die bereits angelaufenen Tätigkeiten der „Swiss Future Farm“ gewährt. Hautnah konnten die vielen Tausend Besucher während drei Tage erleben, was moderne Farm-Management-Software heute bietet, wie das Zusammenspiel von Daten aus Wetterstationen, Drohnen oder allerlei auf den Maschinen verbauten „Bio“-Sensoren und Ertragsmessungen für die agronomische Entscheidungshilfe funktioniert – oder zumindest funktionieren könnte.

Präsentiert wurde beispielsweise der Prototyp einer Einzelkornsämaschine des amerikanischen Herstellers Precision Planting, die den optimalen Schardruck automatisch aufgrund von in Echtzeit gemessenen Bodenwerten oder aufgrund Angaben aus einer Bodenkarte anpassen kann – oder ein mit einem NIR-Sensor ausgestattetes Güllefass, das den tatsächlichen Gehalt der Inhaltsstoffe misst, so dass die auszubringende Menge noch bedarfsgerechter erfolgt. Auf der Farm sind die Traktoren mit Lenksystemen ausgestattet, die angebauten Geräte arbeiten mit Section-Control-Techniken, applizieren Wirkstoffe oder hacken dort, wo nötig und vermeiden bei unförmigen Parzellen Überlappungen.

Leistungsfähige und große Maschinen sind für den Boden eine Belastung. Eine richtige Bereifung mit geringem Innendruck kann dem entgegenwirken. Routinemäßig werden auf der „Swiss Future Farm“ Achslasten und Bodendruck im Feld gemessen, mittelfristig sollen gar fixe Fahrgassen nach dem System „Controlled Traffic Farming“ eingeführt werden.

Die „Swiss Future Farm“ ist ein interessantes Projekt. Das gemeinsame Ziel der drei Partner, smarte Technologien in der Praxis zu erproben, diese dem Zielkunden „Landwirt“ im praktischen Einsatz näher zu bringen sowie heutige und künftige derartige Anwendungen auch für die Ausbildung nutzen zu können, verfügt über viel Potenzial. Der Erfolg wird dann beschieden sein, wenn man die unterschiedlichen Anliegen und Vorstellungen von Industrie, Handel und öffentlicher Bildung unter einen Hut bringen kann.

Passt ihren Schardruck an in Echtzeit gemessene Bodenwerte an: Prototyp der Einzelkornsämaschine von Precision Planting.

Passt ihren Schardruck an in Echtzeit gemessene Bodenwerte an: Prototyp der Einzelkornsämaschine von Precision Planting.


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