Gute Qualität in Rundballen – nicht nur eine Frage der Technik

Im Allgemeinen wird das Verfahren der Silierung von Gras in Rundballen aufgrund der geringen Flächenleistung für geringe Erntemengen empfohlen. Der Einsatz ist aber auch speziell dort sinnvoll, wo es gilt, unterschiedlich heranwachsende Bestände exakt zum optimalen Schnittzeitpunkt zu ernten.

Grünlandtechnik: Gute Qualität in Rundballen – nicht nur eine Frage der Technik

Besonders schnell und schonend: Pressen und Wickeln in einer Kombination.

Grünlandtechnik: Gute Qualität in Rundballen – nicht nur eine Frage der Technik

Die Folienbindung setzt sich in der Praxis immer mehr durch. Sie ist zugleich eine erste Schutzschicht vor dem Einstretchen.

Die Einbindung von Leguminosen auf Acker- oder auch Grünlandflächen nimmt aktuell mit der Zielsetzung zu, mehr Protein aus dem Grundfutter zu erzeugen. Hierbei kommt es besonders auf die Einhaltung des optimalen Schnittzeitpunktes an. Viel Rohprotein ist durch die Leguminosen dann zu erwarten, wenn sie sich als Hauptbestandesbildner in der Knospe bis Beginn der Blüte befinden. Damit ist der erste Grundstein für nährstoffreiches und gut verdauliches Futter gelegt. Für diese Fälle bietet sich die Rundballensilierung gleichfalls an, zumal das Futter sehr gezielt in die Futterration eingebunden werden kann.

Im Allgemeinen gelten bei der Rundballenbereitung die gleichen pflanzenbaulichen und siliertechnischen Anforderungen wie bei der Silierung im Fahrsilo:

Ein gut gepflegter und schmutzarm geernteter Pflanzenbestand ist neben dem richtigen Schnittzeitpunkt maßgebend für den Nährstoff- und Energiegehalt des Futters sowie für die Gärqualität. Das rasche Anwelken, zügige Bergen und die sorgfältige, luftdichte Siloabdeckung gehören zu weiteren wesentlichen Maßnahmen, die den Siliererfolg bestimmen.

Ein Konservierungsverfahren auf drei Säulen

Das Verfahren der Rundballenbereitung zeichnet sich durch einige Besonderheiten aus. So wird die Verdichtungsarbeit ausschließlich durch den Pressdruck bestimmt. Die Herstellung von kompakten und formstabilen Ballen gelingt bei Trockenmassegehalten von 40 bis 50 Prozent am besten. In diesem Anwelkbereich siliert das Futter nur noch schwach. Die Säurebildung allein wäre für die Konservierung unzureichend, denn der pH-Wert wird nicht ausreichend zur Keimunterdrückung gesenkt. Demzufolge muss es zur Haltbarmachung noch andere Wirkmechanismen geben. Das sind der Trockenmassegehalt und die Kohlendioxidatmosphäre. Ein wesentlicher Teil unerwünschter Gärkeime ist bereits durch den erhöhten Trockenmassegehalt des Futters inaktiviert. Dem gleichmäßigen Anwelken des Futters ist deshalb entsprechende Aufmerksamkeit zu schenken. Häufig sind für den Verderb von Rundballen jedoch Verschimmelungsprozesse verantwortlich. Um den Stoffwechsel von Hefe- und Schimmelpilzen hinreichend zu unterbinden, hat auch die Kohlendioxidbildung im Ballen eine nicht zu unterschätzende Bedeutung. Nach dem Einwickeln der Rundballen in Folie wird das Kohlendioxid vorrangig durch Atmungsprozesse gebildet. Je länger das Gas im Ballen verbleibt und kein Sauerstoff durch Beschädigungen eindringen kann, desto wirksamer lassen sich auch diese beiden Keimarten unterdrücken.

Insofern beruht die Konservierung des Grases im Rundballen auf drei Säulen: der Trocknung, der Kohlendioxidbildung und der Säuerung. Mit siliertechnischen Maßnahmen und dem entsprechenden Augenmerk bei der Lagerung ist es möglich, unterstützend auf eine möglichst verlustarme Rundballenbereitung einzuwirken.

Hohe Lagerungsdichte anstreben

Sind Rundballen kompakt und formstabil, so ist dies ein erster Hinweis für eine hohe Lagerungsdichte. Eine Lagerungsdichte zwischen 150 und 170 kg TM/m³ wird zum einen, wie oben beschrieben, durch das entsprechende Anwelken erreicht. Wie aus Tabelle 1 hervorgeht, wirkt sich das Erreichen des gewünschten Anwelkereiches von 40 bis 50 Prozent nicht nur positiv auf die Lagerungsdichte aus, sondern auch auf den Folienverbrauch und die Anzahl der Ballen.

Einen vergleichbaren Effekt hat das Zerkleinern des Futters. Damit lässt sich der Verdichtungsgrad nachweislich um 6 bis 12 Prozent erhöhen. Demzufolge ist es immer ratsam, den vollen Messersatz der Pressen zu nutzen.

Für eine gute Arbeit der Rundballenpresse ist des Weiteren ein gleichmäßiger Gutstrom von der Pick-up bis zum Presskanal wichtig. Dies setzt Schwadgrößen voraus, welche gleichmäßig und in voller Breite von der Pick-up aufgenommen werden können. Massereiche Schwade lassen sich durch den Einsatz der Großschwadertechnik trotz der ertragsschwachen Sommergrasbestände herstellen. Zudem beeinflusst der Pressentyp selbst die Kompaktlagerung des Futters. Mit Vario-Pressen (Pressen mit veränderlicher Wickelraumgröße) wird das Futter durch umlaufende Bänder oder Stabketten kontinuierlich gepresst. Im Gegensatz zu den Konstantpressen (Pressen mit konstanter Wickelraumgröße) zeichnet sich diese Pressmethode durch eine bessere Verdichtung im Ballenkern sowie durch eine gleichmäßigere Dichtlagerung des gesamten Ballens aus.

Das Bindungsverfahren beeinflusst gleichfalls die Pressleistung. Hierbei hat sich vor allem die Netzbindung aufgrund ihrer besseren Leistung gegenüber der Kunststoffgarnbindung bewährt. Mit der Folienbindung wird auf dem Markt eine weitere und interessante Methode des Bindungsverfahrens angeboten. Interessant vor dem Hintergrund, weil das Futter durch diese Folienumspannung mit einer ersten schützenden Schicht umhüllt wird. So wird zum einen das Risiko vermindert, dass Stängelteile später die Stretchfolie beschädigen. Zum anderen wird mit dieser Folienschicht der Gasaustausch weiter erschwert.

Als Zwischenfazit lässt sich festhalten, dass es verschiedene Einflussmöglichkeiten zum Erreichen hoher Lagerungsdichte des Futters von Rundballen gibt. Sie beginnen auf dem Feld mit dem Anwelken und der Schwadbearbeitung und setzen sich durch technische Einstellungen der Presse fort. Hohe Lagerungsdichten wirken sich nicht nur positiv auf die Stabilität der Futterkonserve aus, sondern auch auf die Anzahl der Ballen, den Folienverbrauch und damit auf die Kosten.

Grünlandtechnik: Gute Qualität in Rundballen – nicht nur eine Frage der Technik

Zum optimalen Schnittzeitpunkt des jeweiligen Bestandes silieren, lässt sich gut durch das Rundballenverfahren realisieren.

Tipps für einen sicheren Luftabschluss

Ein sicherer Luftabschluss ist für das Einsetzen der Gärprozesse als auch für das hinreichende Ausschalten von Schimmelpilzen und anderen Störkeimen wichtig.

Rundballen dehnen sich nach dem Pressen und Binden in aller Regel wieder etwas aus. Dieser Vorgang ist mit einem erneuten Eindringen von Sauerstoff in tiefere Futterschichten verbunden. Deshalb sollte das Einwickeln der Ballen mit Folie so rasch wie möglich nach dem Bindevorgang erfolgen. Aus diesem Blickwinkel betrachtet, erscheinen Press-Wickel-Kombinationen als optimale Technik, denn hierbei wird der Ballen sofort nach dem Pressen auch eingewickelt. Allerdings muss der Ballen anschließend noch zum Lagerplatz gebracht werden. Damit besteht sowohl beim Auf- als auch beim Abladen und Umsetzen des Ballens eine erhebliche Beschädigungsgefahr der Stretchfolie. Falls undichte Stellen (Löcher, Risse oder Striemen) festgestellt werden, sind diese sofort am Lagerplatz mit Stretchfolien-Klebeband zu verschließen.

Das separate Pressen und Wickeln als zweistufiges Verfahren hat demzufolge auch seine Vorteile, denn hier wird der Rundballen nach dem Wickeln nur noch wenig bewegt. Das Risiko von Schäden der Stretchfolie ist somit geringer. Keinesfalls sollte aber zwischen dem Pressen und Wickeln der Ballen ein Zeitraum von zwei Stunden überschritten werden. Je nach Lagerungsort der Ballen ist hierfür eine entsprechend durchdachte Logistik erforderlich.

Für einen hinreichenden Luftabschluss ist erwartungsgemäß das Einstretchen selbst von Bedeutung.

Qualitativ hochwertige Stretchfolien zeichnen sich durch hohe UV-Stabilität, eine geringe Gasdurchlässigkeit sowie durch einen hohen Klebeeffekt aus.

Bei Folien nicht am falschen Ende sparen

Vor dem Kauf sollte man sich über diese Eigenschaften gut informieren und auf DLG-geprüfte Ware sowie auf eine vom Hersteller zugesicherte UV-Stabilität von mindestens einem Jahr achten. Vorsicht ist vor dem Gebrauch von überlagerten Folien geboten, denn diese weisen meistens eine verminderte UV-Stabilität als auch reduzierte Klebeeigenschaften auf.

Für das Einhüllen der Rundballen mit Stretchfolie werden eine fünfzigprozentige Überlappung sowie eine sechsfache Folienlage empfohlen. Die Anzahl der Folienlagen hat Einfluss auf die Gasdurchlässigkeit und damit auf den Besatz an Störkeimen. Insofern sollte man hier nicht am falschen Ende sparen und notfalls bei sehr sperrigem, überständigem Futter eine achtfache Umwickelung anstreben.

Weiße Folie hat gegenüber dunkler Folie den Vorteil, dass sie das Sonnenlicht reflektiert und sich somit die Randschichten nicht übermäßig erwärmen. Ein zu starkes Aufwärmen des Futters kann ansonsten zur Bildung von Verdunstungs- beziehungsweise Kondensationswasser führen. In einigen Fällen ist dieser Vorgang Ursache für das Verpilzen der Außenschichten.

Die mit Stretchfolie eingewickelten Rundballen sind sehr beschädigungsempfindlich. So kann die Folienhülle beim Auf- und Abladen sowie bei jedem Umsetzen Schaden nehmen. Auch die kleinsten Löcher und Risse in der Folie stellen Eintrittspforten für Luft dar und sind Ausgangspunkt für das Verschimmeln und Warmwerden des Futters.

Tipps zur richtigen Lagerung

Die Stirnseite der Rundballen enthält durch das Wickeln die meisten Folienschichten und bietet daher den größten Schutz. Insofern sind Rundballen wie Fässer aufzustellen. Schäden durch Nagetiere oder Vögel kann man begegnen, wenn man die Rundballen auf festen Untergrund stellt und diese zusätzlich mit einem Schutznetz abdeckt.

Die Sauerstoffdurchlässigkeit der Folie steigt im Allgemeinen mit der Temperatur. Gewisse Austauschvorgänge sind hierbei normal und nicht beeinflussbar. Die Gasdurchlässigkeit kann dennoch bei hoher Anzahl der Folienschichten und qualitativ hochwertigen Folien gering gehalten werden. Es empfiehlt sich des Weiteren, die Rundballen an einem schattigen Ort zu lagern.

Eine regelmäßige Kontrolle der Ballen und das sofortige Verschließen der festgestellten Löcher tragen zum Qualitätserhalt des Futters bei.

Die Herstellung von Ballensilagen für die Pferdefütterung erfordert häufig noch weitere, verderbschützende Maßnahmen, da das Futter meist sehr spät geschnitten wird. Die harten Stängel durchstechen rasch die dünne Folienschicht, zumal Pferdehalter oftmals gänzlich auf den Messer- einsatz der Pressen verzichten. Was es zu beachten gilt, um Verderbprozesse zu begrenzen und den notwendigen, hygienischen Ansprüchen gerecht zu werden, ist im Kasten zusammenfassend beschrieben.

Grünlandtechnik: Gute Qualität in Rundballen – nicht nur eine Frage der Technik

Besonderheiten für die Bereitung von Rundballensilage (Heulage) für Pferde

Wenn das Silierverfahren perfekt gehandhabt wird, ist die in Rundballen gelagerte Heulage im Vergleich zum Heu ein relativ staubarmes Futter.

Folgende Besonderheiten gilt es zu beachten:

1. Das Erntegut ist in aller Regel überständig und lässt sich daher schwerer verdichten. Zudem ist der Keimbesatz von älterem Futter oftmals ungünstig.

Gegenmaßnahmen:

■ Extrem späten Schnitt und Rohfasergehalte über 27 % vermeiden.

■ Auf Schnitthöhen von mindestens 7 cm achten.

■ Siliergut zumindest so zerkleinern, dass Schnittlängen von unter 20 cm gesichert sind.

■ Rundballen mit mindestens 8 Folienlagen versehen.

■ Gegebenenfalls entsprechende Siliermittel der Wirkungsrichtung 2 zusetzen.

2. Der Pflanzenbestand von Pferdewiesen und –weiden ist im Allgemeinen mit wenig hochwertigen Gräsern behaftet, was die Silierbarkeit des Futters beeinträchtigt

Gegenmaßnahmen:

■ Durch jährliche Nachsaaten und regelmäßige Grünlandpflege Einfluss auf die Grünlandnarbe und ihre Grasartenzusammensetzung nehmen.

3. Durch den Tritt und Bewegungsdrang der Tiere ist die Grünlandnarbe häufig lückig. Das kann den Schmutzeintrag während der Ernte fördern.

Gegenmaßnahmen:

■ Auf Schnitthöhen von mindestens 7 cm achten.

■ Für schonende Schwadbearbeitung sorgen und Zinkengeräte so einstellen, dass sie wenig Bodenberührung haben.

Kalzendorf


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