Deutschland - Landwirtschaftlicher Produktionswert in 2022 deutlich gestiegen

Größere Erntemengen und gestiegene Preise sorgen für neues Rekordniveau – Laut BZL-Schätzung wird der Produktionswert gegenüber 2021 um ein Viertel auf 74,4 Milliarden Euro zulegen – Pflanzenbau und tierische Erzeugnisse steuern jeweils rund 35 Milliarden bei – Ölsaaten und Eier mit den höchsten relativen Zuwächsen

Deutschland: Landwirtschaftlicher Produktionswert in 2022 deutlich gestiegen

Der Produktionswert des bundesdeutschen Getreideanbaus stieg um 46,7 Prozent auf 12,8 Mrd. Euro.

Eine höhere Erzeugung und gestiegene Preise haben 2022 den landwirtschaftlichen Produktionswert in Deutschland nach oben schnellen lassen. Wie die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) mitteilt, wird der Produktionswert laut einer ersten Schätzung des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft (BZL) mit 74,4 Mrd. Euro um 25,7 % über dem Vorjahresniveau liegen und damit einen neuen Rekord markieren. In den neun Jahren zuvor hatte sich dieser Wert im Schnitt auf 56,7 Mrd. Euro belaufen.

Der Produktionswert beinhaltet neben den Verkaufserlösen der Landwirtschaft unter anderem auch den innerbetrieblichen Verbrauch – beispielsweise von Futtermitteln wie Silage – sowie Einnahmen aus Dienstleistungen. Davon abzuziehen sind in der landwirtschaftlichen Gesamtrechnung Kosten wie Vorleistungen und Abschreibungen, um zur Nettowertschöpfung zu gelangen.

Laut BZL war 2022 aus mehreren Gründen ein Ausnahmejahr. Zum einen habe der Ukraine-Krieg in praktisch allen Bereichen zu enormen Preissteigerungen geführt. Zum anderen sei es aufgrund von Hitze- und Trockenperioden vor allem bei den Sommerkulturen wie Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben zu Ertragsausfällen gekommen.

Insgesamt stieg laut Schätzung der Produktionswert der pflanzlichen Erzeugung wegen höherer Erntemengen und Preise gegenüber 2021 jedoch um 18,8 % auf 35,3 Mrd. Euro. Hierbei verbuchten die Getreidekulturen ein Plus von 46,7 % auf 12,8 Mrd. Euro. Bei den Ölsaaten ging es sogar um 57,2 % auf fast 3,2 Mrd. Euro nach oben. Futterpflanzen wie Gras- und Maissilage gehörten aufgrund der ungünstigen Witterungsbedingungen zu den wenigen Bereichen mit einem rückläufigen Produktionswert; verzeichnet wurde hier ein Minus von rund 30 % auf 3,3 Mrd. Euro. Bei Obst und Gemüse sorgte der trockene Sommer ebenfalls für kleinere Erntemengen; die jeweiligen Produktionswerte gaben um 6,1 % beziehungsweise 1,8 % nach. Bei Kartoffeln konnte dies jedoch durch den starken Preisanstieg mehr als ausgeglichen werden; voraussichtlich wird ein Zuwachs um 52,0 % auf 2,6 Mrd. Euro erreicht.

16 Milliarden Euro bei Milch

In der landwirtschaftlichen Veredlungswirtschaft dürfte sich laut BZL am Jahresende der Produktionswert auf 35,0 Mrd. Euro belaufen; das wären gut 9,1 Mrd. Euro oder 35 % mehr als 2021. Treiber waren hier vor allem die höheren Erzeugerpreise. So wird für Schweine ein Zuwachs von 27,9 % auf 7,9 Mrd. Euro erwartet, obwohl die Produktion voraussichtlich um 5 % rückläufig sein wird.

Bei Geflügel zur Fleischerzeugung wird der Produktionswert voraussichtlich um ein Drittel auf 3,3 Mrd. Euro zulegen, bei Rindern um 29,4 % auf 4,7 Mrd. Euro. Die Milcherzeugung wird sich in diesem Jahr wohl knapp unter dem Vorjahresniveau bewegen. Der starke Anstieg der Erzeugerpreise dürfte jedoch den Produktionswert um 43,0 % auf die neue Rekordmarke von 16,1 Mrd. Euro anheben. Der durchschnittliche Milcherzeugerpreis wurde hierbei mit 50,9 Cent/kg angenommen. Der stärkste relative Anstieg von rund 48 % auf 1,6 Mrd. Euro wird – ebenfalls preisbedingt – für Eier erwartet.

Teurer Futterzukauf

Mit den gestiegenen Einnahmen mussten die Landwirte 2022 die höheren Kosten begleichen. So nahmen die Aufwendungen für Vorleistungen laut Schätzung des BZL gegenüber 2021 um rund 3,9 Mrd. oder fast 10 % auf 43,5 Mrd. Euro zu.

Der vergleichsweise moderate Anstieg resultiert daraus, dass viele Betriebsmittel schon 2021 sehr viel teurer wurden und bereits im Vorjahr die Verkaufserlöse schmälerten.

So ist beispielsweise der Preis für Düngemittel 2021 gegenüber der Vorsaison um 94 % gestiegen, im laufenden Jahr 2022 dann voraussichtlich „nur noch“ um 23 %. Der teure Dünger hat zudem bewirkt, dass die Einsatzmenge 2022 um rund 6 % verringert wurde, bei Stickstoff sogar um 11 %.

In der tierischen Veredlung machten sich die Preissteigerungen für Futter dieses Jahr deutlich bemerkbar. Die Schweinehalter kauften vor allem wegen geringerer Tierbestände etwa 10 % weniger Mischfutter zu; dennoch stiegen die Futtermittelausgaben um 21 %.

Bei Rindern einschließlich Milcherzeugern blieben die Mischfuttereinkäufe auf dem Vorjahresniveau stabil, doch musste dafür 31 % mehr gezahlt werden. Der Grund dafür waren die höheren Preise für Getreide und proteinreiche Futtermittel sowie die gestiegenen Energiekosten. Am stärksten war der Futtermittelpreisanstieg für das Geflügel; hier führte eine um 2 % geringere Einkaufsmenge zu 37 % höheren Ausgaben.

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