Alles Einstellungssache!

Anfang April veranstalteten die Landwirtschaftlichen Lehranstalten in Bayreuth einen Aktionstag zum Thema „Klimaangepasste Landwirtschaft“. Dabei ging es am Nachmittag auf den Acker: Hauptthema war die ultraflache Bodenbearbeitung, wodurch Unkraut und gekeimtes Ausfallgetreide reguliert, Humus gebildet und vor allem das immer knappere Wasser im Boden gehalten werden soll. Der eilbote war dabei.

Feldtag: Alles Einstellungssache!

Auf dem Aktionstag war durch fast 30 verschiedene Gespanne für jeden Geschmack etwas dabei.

Feldtag: Alles Einstellungssache!

Die Samurai-Zinken mit zusätzlich quer angeordneten Messern bietet Hersteller Moreni an seiner Kreiselegge.

Die angetretene Technik übertraf unsere Erwartungen bei weitem, eine größere Vielfalt sieht man selbst an überregionalen Feldtagen großer Organisationen kaum: 29 Gespanne standen parat, im 5-Minuten-Takt wurde der Boden umgebrochen: „Das ist wie beim Speeddating, da muss man auch schnell überzeugen und kann nicht viel drumrum reden“, erklärt der für die Veranstaltung zuständige Fachlehrer Tobias Weggel. „Und der Landwirt weiß sicherlich auch sehr schnell, mit welcher Maschine er kann und mit welcher nicht.“ Das Prinzip lief wie folgt: Das Gespann zog eine vorher abgesteckte Bahn in den mit Ölrettich bestellten Zwischenfrucht-Acker. Die Landwirte konnten die Ergebnisse direkt begutachten, während der Vertreter des Anbaugeräte-Herstellers 180 Sekunden Zeit hatte, sein Gerät und dessen Vorzüge zu erklären. Dann kündigte Weggel direkt den nächsten Traktor an.

Dabei wurde schnell deutlich, dass von beiden Seiten – Landwirte wie Hersteller – hohe Kompetenz auf dem Feld vertreten war. Denn auch wenn zwischen zwei gezogenen Bahnen größere Unterschiede in den Ergebnissen zu erkennen waren, war meist schnell klar, wie diese zustande kamen. Denn natürlich waren die Geräte so ausgewählt, dass verschiedene Ansprüche befriedigt wurden: So waren neben den gewellten Scheiben von Amazone und Väderstad auch Kuhn und Knoche mit ihren Kurzscheibeneggen vertreten. Als interessanter Exot war die Kreiselegge mit zusätzlich waagerecht angebauten Samuraimessern von Moreni zu sehen. Bei der starren Technik waren auch Siptec, Einböck, Dalbo, Horsch Kubota/Kverneland dabei. Erwähnenswert: Auch ein bereits beim Landwirt vorhandener Rabe Blue Bird LLA konnte durch Umbau mit Teilen von Industrie-Spezialist Boehlerit sowie Gänsefuß-Scharen von Drittanbieter Agricarb, die eigentlich für Bednar-Geräte gedacht waren, fit für die ultraflache Bearbeitung gemacht werden: „Wer vor etwas Tüftelei in der Werkstatt nicht zurückschreckt, kann so auch Bestandskunden günstig glücklich machen, ohne diesen gleich eine neue Maschine verkaufen zu müssen“, erklärt Heiko Kaiser vom Händler Agrimarkt. „Man muss eben schauen, welche Schare vielleicht passen und wie sie dann an die Kundenmaschine adaptiert werden können – je nachdem, was der Kunde damit vor hat.“ Da es sich um eine Zwischenfrucht-Fläche handelte, hatten einige Schlepper zudem eine vorlaufende Messerwalze angebaut, etwa in Kombination mit Geräten von Lemken, Treffler, Kerner und Güttler.

Feldtag: Alles Einstellungssache!

Vorlaufende Messerwalzen waren an fünf Gespannen montiert.

Feldtag: Alles Einstellungssache!

Der für die ultraflache Bodenbearbeitung umgebaute Rabe Grubber war bereits beim Landwirt im Bestand.

In der Praxis erwies sich dann schnell ein Faktor als entscheidend für die Qualität der Maßnahme: Die absolut exakte Einstellung des Gerätes. Denn die ultraflache Bodenbearbeitung sollte am Aktionstag maximal 4 cm tief eingreifen. Die Hersteller bewerben ihre Produkte teilweise auch nur mit 2–3 cm Arbeitstiefe bei dennoch vollflächiger Bearbeitung. Das stellte sich in der Realität jedoch schwieriger heraus als gedacht: Durch die relativ nassen Verhältnisse – Veranstalter Weggel bangte bis zum Schluss, ob die Veranstaltung überhaupt durchführbar wäre – mussten die Hersteller ihre Maschinen in der sogenannten Bodenhalle justieren. Dort werden sonst Ackerbauversuche durchgeführt, prinzipiell also eine große Maschinenhalle ohne Betonfundament und Belag. „Noch zwei Tage vor der Veranstaltung war das Feld eigentlich nicht befahrbar. In der Halle konnten die Techniker ihre Maschinen aber dennoch bei für alle gleichen Verhältnissen einstellen“, sagt Weggel. Glücklicherweise trocknete es aber dann doch weit genug ab und die bereits fertig konfigurierten Maschinen konnten loslegen. Dass die Ergebnisse nicht immer top waren, begründeten viele mit dem Feinschliff in der Erde der Halle statt auf dem realen Feld.

Feldtag: Alles Einstellungssache!

Federzinken, hier an der Güttler SuperMaxx, waren nur eine von vielen Werkzeugen im Einsatz.

Tobias Weggel gibt zudem zu bedenken: „Bei so flacher Bearbeitung kann eine Maschine auch nicht überall perfekt eingreifen, wenn der Boden nicht schon vorher planeben ist. Wer eine reguläre Alu-Richtschiene – in vielen Werkstätten zu finden – auf seine Krumme legt, wird selten eine Stelle finden, auf der diese nicht einige Zentimeter wackelt. Nach welcher Position aber stellt man nun den Ultraflachgrubber ein? Entweder er greift ab und an zu tief oder er verschont hier und da ein Stück.“ Betriebe, die bereits länger mit Techniken wie Strohstriegeln arbeiten, haben hier bereits bessere Bedingungen. Ist durch die Fruchtfolge aber noch ein Pflug involviert, sei es kaum möglich, eine entsprechend ebene Krumme vorzufinden. Dann müssen für ultraflache Bearbeitung kleine Kompromisse eingegangen werden.

Den Landwirt bei der Einstellung unterstützen

Händler müssen daher schon bei Vorführungen, dem Verkauf und der Übergabe explizit kommunizieren, dass die absolut exakte Einstellung solcher Geräte ein Muss ist. Die Betreuung während der ersten Maßnahmen zusammen mit dem Landwirt auf dem Feld sollte deswegen in Betracht gezogen werden. Denn hier handelt es sich nicht nur um eine etwas anders ausgestattete Maschine, sondern um ein auch für den Landwirt neues Verfahren. Hängt der Praktiker das Gerät nur an und fährt über den ersten Acker, ist er eventuell enttäuscht von der Technik, obwohl es eventuell nur eine Einstellungssache wäre.

Feldtag: Alles Einstellungssache!

Der Müthing Coverseed mulcht Stoppeln und sät gleichzeitig Zwischenfrucht.

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Tobias Weggel von den landwirtschaftlichen Lehranstalten Bayreuth organisierte die Veranstaltung und führte durch den Praxisteil.

Auch Mulch-und Direktsaat dabei

Feldtag: Alles Einstellungssache!

Wichtigste Erkenntnis: Der nur wenige Zentimeter tiefe Eingriff benötigt eine exakte Einstellung der Maschine.

Abgerundet wurde das Bodenbearbeitungsprogramm dann noch von Technik zur Mulch- und Direktsaat sowie Strip Till: Zehn Gespanne zeigten verschiedene Verfahren, von ausgewiesenen Spezialmaschinen wie etwa des französischen Herstellers Novag bis zum Coverseeder von Müthing: Dabei wurde auf den Mulcher ein Saatgutverteiler montiert, wodurch Zwischenfrüchte direkt während der Stoppelbearbeitung gesät werden können. Die etwa 300 Landwirte vor Ort zeigten während der Veranstaltung großes Interesse und lobten den strikten, aber dadurch nicht aufgeblasenen Ablauf des Praxisteils. Wer sich für eine Maschine näher interessierte, konnte nach deren gezogener Bahn direkt den Vertreter in Beschlag nehmen. Als der letzte Trecker dann verstummte, standen bereits diverse Grüppchen um die Maschinen und fachsimpelten mit den Experten. Ebenfalls notwendig, damit so ein Konzept funktioniert, ist ein klar ansagender Organisator, der auch bei fast 30 Traktorgespannen auf dem Feld die Ruhe und Übersicht behält und es gleichzeitig schafft, die gerne etwas ausschweifender erklärenden Vertreter im Zeitplan-Zaum zu halten. Tobias Weggel von den landwirtschaftlichen Lehranstalten in Bayreuth ist das sehr gut gelungen. Andere Veranstalter dürfen sich hier gerne ein Beispiel nehmen: Mehr praktische Technik und Information und dafür wesentlich weniger Marketing-Blabla sind sehr einfach machbar.


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