Vorzieheffekte wegen Knappheiten prägen 2022 die Konjunktur

Von hoher Nervosität waren im vergangenen Jahr die Märkte für Pflanzenschutz und Düngung geprägt. Darauf hat der Industrieverband Agrar (IVA) jetzt auf seiner digitalen Jahrespressekonferenz hingewiesen. Laut IVA-Präsident Michael Wagner wurde beim Direktgeschäft zwischen den im Industrieverband organisierten Unternehmen und dem Pflanzenschutzgroßhandel ein Nettoinlandsumsatz (NIU) von insgesamt 1,431 Mrd. Euro erzielt; im Vergleich zum Vorjahr war das ein Plus von 18,8 %. Wagner hält diese Entwicklung allerdings für „überzeichnet“. Es habe „Vorzieheffekte durch Knappheiten“ gegeben.

Nach Angaben des IVA-Präsidenten war das Jahr 2022 von extremen Preisanstiegen auf den Energiemärkten und damit verbundenen Preissteigerungen auch für landwirtschaftliche Betriebsmittel gekennzeichnet. Im Verlauf des Jahres sei es am Pflanzenschutzmittelmarkt zu einem deutlichen Bestandsaufbau sowohl auf der Handelsseite als auch bei den Landwirten gekommen. Der scharfe Wettbewerb, der bereits in den vergangenen Jahren das Handelsgeschehen geprägt habe, habe sich auch 2022 fortgesetzt.

Wagner forderte mehr Engagement für das Vorantreiben der Digitalisierung in der landwirtschaftlichen Praxis. „Fast ein Viertel der ausgebrachten Pflanzenschutzmittel könnten theoretisch jetzt schon eingespart werden – ohne dabei Ertrag einzubüßen –, wenn alle Landwirte mit modernsten Technologien und teilflächenspezifischer Applikation arbeiten würden“, betonte der Verbandspräsident. Marco Fleischmann, Vorsitzender des IVA-Fachbereichs Pflanzenernährung, berichtete, dass es im Düngejahr 2021/22 aufgrund des Ukraine-Krieges zu globalen Verwerfungen auf den Märkten für Agrarrohstoffe und besonders für Energie gekommen sei. Preissprünge von durchschnittlich rund 60 % bei Kali und 70 % bei Phosphat wurden Fleischmann zufolge bei den Stickstoffdüngern mit 175 % sogar noch übertroffen; dies entspreche fast einer Verdreifachung des Preises im Vergleich zu 2020/21. Deutsche Düngemittelproduzenten hätten jedoch nur begrenzt davon profitieren können, da günstig produzierte Importe stark zugenommen hätten.

Während laut IVA im Vorjahr noch etwa 1,265 Mio. Tonnen Stickstoff verkauft wurden, sank der Absatz 2021/22 um 13,4 % auf 1,097 Mio. Tonnen. Dieser Rückgang entsprach in etwa dem EU-weiten Niveau. Bei Phosphat wurde ein Minus von 78.000 Tonnen auf 114.000 Tonnen verzeichnet. Damit hat sich der Phosphatabsatz in Deutschland innerhalb von zwei Jahren mehr als halbiert. Die in den Markt gebrachte Kalimenge verringerte sich dem IVA zufolge um 32 % auf 305.800 Tonnen; dies war der niedrigste Absatz der letzten zehn Jahre. Besser sah es hingegen bei Kalkdüngern aus. Hier konnte die abgesetzte Menge trotz leicht höherer Preise sogar marginal auf 2,748 Mio. Tonnen gesteigert werden.


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