Unfälle mit Traktoren: Selten, aber meist schwer

Aktualisierte Forschung zum Unfallrisiko von Traktoren im Straßenverkehr ist erschienen – Fahrerassistenzsysteme könnten ein Fünftel der Unfälle reduzieren

Unfallforschung: Unfälle mit Traktoren: Selten, aber meist schwer

Mit 65 Prozent ist der Pkw – wie hier in der Nachstellung – der häufigste Unfallgegner einer landwirtschaftlichen Zugmaschine.

Bereits vor mehr als zehn Jahren hat die Unfallforschung der Versicherer (UDV) das Unfallrisiko von Traktoren im Straßenverkehr bewertet und typische Muster identifiziert. Erste Auswertungen aktueller Zahlen der nationalen Verkehrsunfallstatistik und der Unfalldatenbank der Versicherer (UDB) zeigten, dass sich das Unfallgeschehen mit Traktoren seitdem verändert hat.

Unfälle mit landwirtschaftlichen Zugmaschinen (LZM) kommen verhältnismäßig selten vor, dafür ziehen sie aber überproportional häufig schwere und tödliche Verletzungsfolgen nach sich. Daher ist es umso interessanter, die Unfall-, Verletzten- und Getötetenzahlen in Relation zum Fahrzeugbestand und der Jahresfahrleistung zu betrachten, um daraus das Unfallrisiko für LZM oder genauer von Unfällen unter Beteiligung von LZM abzuleiten. Allgemein wird die Getötetenrate von Motorrädern als die höchste im deutschen Straßenverkehr angesehen. Die hier ermittelten Zahlen zeigen jedoch, dass den Unfällen mit LZM-Beteiligung viel mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden muss. Das Risiko, bei einem Unfall mit Traktorbeteiligung ums Leben zu kommen, ist noch deutlich höher. Liegt die Getötetenrate bei Unfällen mit Beteiligung von motorisierten Zweirädern in etwa 19-mal über der von Unfällen mit Pkw-Beteiligung, so ist die Getötetenrate bei Unfällen mit LZM-Beteiligung sogar um den Faktor 56 über der von Unfällen mit Pkw-Beteiligung.

Gemeinsam mit der Allianz Versicherungs-AG und dem Landwirtschaftlichen Versicherungsverein Münster a.G. (LVM) wurden LZM-Schadenfälle beider Versicherer in einer eigens erstellten Unfalldatenbank gesammelt, analysiert und in einem Forschungsbericht zusammengefasst. Fast zwei Drittel der Unfälle mit LZM-Beteiligung geschehen außerhalb geschlossener Ortschaften, gut ein Drittel der Unfallstellen liegt innerorts. Allgemein lässt sich feststellen, dass die Unfallschwerpunkte von LZM beim Abbiegen, Einbiegen/Kreuzen und beim Unfall im Längsverkehr liegen. Häufigster Unfallgegner bei LZM-Unfällen ist mit 65 Prozent der Pkw, gefolgt vom motorisierten Zweirad mit 20 Prozent und den Radfahrenden mit 9 Prozent In Abhängigkeit der Unfallgegner zeigen sich deutliche Muster in den Unfalltypen und damit im Unfallablauf.

Mit kurzfristig umsetzbaren Fahrerassistenzsystemen wie Vorbaukamerasystem und Rückfahrkamera lassen sich bereits 20 Prozent der Unfälle sowie 19 Prozent der Getöteten und Schwerverletzten vermeiden. Mittelfristig umsetzbare Technologien wie Notbremsassistent und Spurwechselassistent, der bei Fahrzeugen im toten Winkel oder beim Abbiegen warnt, helfen zusätzlich dabei, die Anzahl von LZM- Unfällen zu verringern.


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